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geworden. Auf dem Throne der Burgunden aber folgte Gibich mit seiner Gemahlin Guta, der Schwester Hagens(II 360 ff. XVIII 387— 452 u. ö.; vgl. auch H. H. XIV 560 ff.).
Das ist das grauenvolle Geheimnis, auf dem sich unser Epos aufbaut, der rote Faden, der die Sigfridsage durchzieht: die Suche nach Sigfrids Vater, die von seinem Erzieher, dem treuen Mime,*¹) durch alle Stufen des Ahnens, Forschens und Schauens hindurchgeführt wird, für den Helden selbst aber in seinem jähen Tode(an der Stelle, wo ‚schon Sigmund gestorben“, XXI 545) eine ungeahnte Lösung findet.
(b. 1) Auch Sigfrids Jugend ist, wie die Herkunft des Hortes, aufs innigste mit dem Rheine verknüpft. Im 6. Gesang(v. 47— 503) erzählt Mime ‚halb singend, halb sagend' am Hofe zu Worms von Sigfrids frühester Kindheit. Und was hier der Dichter mit Benutzung der Thidreks- saga(s. S. 9) schuf, ist eine so liebliche, als Episode in das Heldenepos eingefügte Idylle, daß sie, auch abgetrennt von diesem, ihre hochpoetische Wirkung nicht verfehlen kann.— Die Landung des Schildkrotschiffchens mit gläsernem Deckel an dem Tage, da auf dem Maifelde bei Holmgard die bunte Menge ,die Niederfahrt Frôs in das freudlose Nachtreich' feiert;²) die Entdeckung des Kindes, das zappelte wie zornig in der engen Zelle' und vor Hunger sein Händchen in den Mund hielt; die Scene in grüner Laubnacht, ,das holde, heilige Bild, wie die Hinde das verstoßene Menschenkind mütterlich stillte“; dann weiter der Bericht von Sigfrids Wachstum, wie er mit fünf- zehn Jahren ,das Maß der Mannheit erreicht, und wie die Mären, die er aus Mimes Munde gehört, die Lust zu Abenteuern in ihm wecken; wie er seine Kraft am Amboß versucht, und ihm Mime darauf Rüstung und Waffen schmiedet und als der Waffen beste das Schlachtschwert Balmung,“*) das er aus den Stücken des zerschlagenen Wölsungenschwertes gebildet; wie ,der lange Geselle“ sodann im geweihten Haine zu Holmgard die heilige Hirschkuh von den Umschlingungen einer giftigen Natter befreit, und die greise Prophetin Oda bei diesem Anblicke ein Wunder zu schauen wähnt, etwa von Balder gethan, den ,die schwarzgelockte, schweigsame Schwester der mächtigen Mutter der Götter und Menschen“ zum Lichte entlassen; wie er dann(VII 14— 61) mit Oda zu- sammen nach ihrer Wohnung am heiligen Weiher wandert, wie sie ihn ,die Lage der Länder und Meere“ ‚und die Fahrten der Völker seit ültester Vorzeit“ lehrt und„Andacht und hohe Gedanken vom Wesen der Dinge und vom Heldenberuf im Herzen Sigfrids: weckt, daneben aber durch den alten Hettel, den Hüter des Haines, ihn auch im Waffenwerke unterweisen läßt, in dem der eifrige Zögling den alten Erzieher bald überbietet: das alles sind Züge, die, wenn auch im Munde Mimes zu inquisitorischen Zwecken ‚gemodelt“, doch so recht geeignet sind, den mythischen Helden dem menschlichen Fühlen recht nahe zu rücken.
Für die Vaterrache**¹) hat das Jordansche Epos keinen Raum; wohl aber hat der Dichter dafür Sorge getragen, daß der junge Held vor der Bekämpfung des Drachen seine Waffenprobe in ernstem ritterlichem Kampfe bestehe. Dazu dient ihm die aus dürftigen Angaben der Thidrekssaga herausgebildete Episode von Hulda, der Tochter Hartnits, des Königs von Holmgard(VII 65— 666), eine Episode, welche zugleich für die weitere Entwickelung in Sigfrids Schicksal von tiefgreifender Bedeutung ist(vgl. besonders XII 118 ff. und XVIII 338 ff.).
Unmittelbar an die Abenteuer Sigfrids in Holmgard schließt sich(VII 114 ff. 423 ff. 667 fl.) der Kampf mit dem Drachen, dieses volkstümlichste Element der Sigfridsage, an. Wenn da- gegen Jordan diesen Kampf nur vorübergehend streift, so wollen wir die Kritik des neidischen Hagen, der darüber keift,„wie jährlich dem Lindwurm sechs Ellen an Länge erzählend hinzuthun die Zungendrescher’, in meliorem partem für den Dichter in Anspruch nehmen, der gerade das, was einer entfesselten Phantasie den breitesten Spielraum gewährt, im Lichte des Ideales zu wägen pflegt, während ihm ‚die dürftigsten Dinge, das dunkelste Los, das ärmste Dasein sind wert der Dichtung, wo Heiliges durchscheint“(H. H. XVIII 60 fl.).— Unter den Beutestücken, die Sigfrid aus dem Kampfe gewinnt, werden von Hagen u. a. neben dem Goldschatz der Helm Hildegrim


