Aufsatz 
Die nordische Gestalt der Nibelungensage und die neuere Nibelungendichtung / von Landmann
Entstehung
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liedes kunstvoll verwoben sind, so läßt der Dichter in einer späteren Stelle(XV 775 ff.) auch Sigfrid selbst, nachdem er durch seine Verbindung mit den Nibelungen in Sünde und Schuld verstrickt ist, ‚gar seltsame Sachen berichten, die die Sänger, ,der eine so, der andere anders', von dem Ringe erzählen. So geht die Sage,

Er stamme vom Nibel, dem Neidwurm der Nachtwelt, Der ewig wühlt an den Wurzeln des Weltbaums.

Den habe beschlichen zur Zeit seines Schlafes

Ein Zwerg, der die Klüfte der Erde durchklommen, Nach schimmernden Schätzen; er habe dem Scheusal Vom Zipfel des Schwanzes das Zierstück gezogen, Und weil der Wicht Andwari geheißen,

Sei Andwaranaut des Ringes Name.

Welche Beziehungen jener Gunthwurm zum burgundischen Königshause hat, wird unten weiter aus- zuführen sein. Die Tötung Reidmars und die Verwandlung Fafners sind, der Uberlieferung getreu, im Geiste der nordischen Dichtung durchgeführt. ¹⁴)

(a. 2) Die Geschichte des Wölsungenschwertes läßt Jordan im 13. Gesang(v. 79 526) durch die Frisin Ortrude der fruchtlos um Seelenfrieden ringenden Brunhild erzählen, damit sie in deren Gemüte für den bevorstehenden Waffenkampf ,die wölfische Wut der Wölsungen wecke. (Die Anderung des Namens Siggeir in Sigar erscheint nicht besonders glücklich; noch bedenk- licher die etymologischen Spielereien‚Mundsieg und ‚Sehnenfessel, wodurch indessen die groß- artige Pracht des Gemäldes im ganzen nicht beeinträchtigt werden dürfte. Man vergleiche insbe- sondere die Worte: Ich sündigte gern, doch ich sühne die Sitte' mit dem, was unter Anm. I 55 angeführt ist). Uber die damit in Zusammenhang stehende Geschichte von Sigfrids Ahnen ist das Folgende der eigentlichen Sigfridsage vorauszuschicken. Nach der nordischen Darstellung hatte Sigmund, bevor er sich mit Hiördis vermählte, drei Söhne: Sinfiötli, Helgi und Hamund. Diesen letzteren, der dort ziemlich bedeutungslos erscheint, macht Jordan zum Sohne des Sinfötli und läßt ihn von der Nordsee hinauf nach Worms am Rhein fahren, dasselbe im Sturm erobern und dort als ersten Beherrscher der Rheinburgunden seinen Wohnsitz nehmen.¹*) Sein Sohn ist Dankrat(im Nibelungenlied der Vater von Gunther etc.). Dieser erborgt einst von ,dem höllischen Gunthwurm drei Scheffel Goldes und bestimmt als dessen Schuldner ‚nach kurzem Bedenken seinen älteren Sohn Sigmund(den ‚andern Sigmund) als Gemahl für Gunthwurms kaum der Wiege entwachsenes Töchterlein, ,die häßlische Magda, ebenso seinen zweiten Sohn Gibich für dessen andere Tochter Guta. Magda aber ist von einer schrecklichen Krankheit befallen, und nachdem Sigmund ,im Heilquell Wisbad, woselbst sie nutzlos Genesung suchte, ihren Zustand kennen gelernt hat, begiebt er sich mit den beiden Zeugen, Wendel dem Forstwart und Sibich*) dem Falkner, vor das hohe Gericht auf der roten Erde und läßt ,durch den Wahrspruch nach sächsischem Weistum und im Namen der Götter die Kindervermählung mit Magda für null und nichtig erklären, worauf er sich mit der schönen Jördis(= Hiördis), der Tochter des Königs Witt- kinn von Sachsen,*¹) im heiligen Haine zu Holmgard ,durch alle Weihen vermählt. Jördis aber war vorher von Hagen, dem Sohne Gunthwurms und Bruder der Magda und Guta, in Haft gehalten worden. Er hatte sie in heißer Fehde, ,die um Santens Besitz mit den Sachsen geführt ward', als Beute errungen und für sich zur Gattin begehrt. Und als nun Sigmand, der ihm den sicher gewähnten Besitz geraubt, nach dem am Tage seiner Vermählung erfolgten Tode Dankrats als erster Sohn in der Herrschaft gefolgt war, da fand man den jungen König eines Tages in des Odenwalds Forsten erschlagen. Ein Keiler, so sagten die Leute, habe ihm mit stählernem Hauer das Herz durchbohrt, und auch sein Söhnchen von Jördis sei in der Wildnis den Wölfen zur Beute