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Minne“ den ersten Trunk gebracht, er fährt, so rasch er gekommen, mit Gibichs Sohne den Rhein hinab, für ihn zu holen die Braut.¹*) Hagen aber, der die Halle bewacht, blickt den beiden be-
friedigt nach: ‚Die eigne Braut ihm bringt er zum Rhein,
mir aber bringt er— den Ringe!— Als Sigfrid von Brunhild weiter gezogen war, da hatte er ihr zum Tausche ihrer Runen den Ring gereicht und dafür das Walkürenroß Grani empfangen.¹⁴) Sie selbst aber war ‚in der Lohe hei- liger Hut' zurückgeblieben. Da kommt Waltraute, die Walküre, die nun als nächste an Wodans Seite des Walvaters Willen erkundet. Und sie meldet der Schwester, wie der Vater als Wanderer die Welt durchstreift; wie er jüngst heimgekehrt, in der Hand seines Speeres Splitter haltend, die ein Held ihm habe geschlagen; wie er Walhalls Edle zum Forste gewiesen, die Weltesche zu fällen und des Stammes Scheite rings um der Seligen Saal zu schichten; wie er seine beiden Raben auf Reise gesandt, wie dieselben aber nur dann gute Kunde zu bringen vermöchten, wenn Brun- hilde des tiefen Rheines Töchtern den Ring zurückgäbe und durch diese freie That Gott und Welt erlöste.“*)— So ist Brunhild noch einmal vor die Entscheidung gestellt. Wie wird sie dieselbe
treffen?— ‚Geh hin zu der Götter heiligem Rat;
von meinem Ringe raun ihnen zu: die Liebe ließe ich nie, mir nehmen nie sie die Liebe, stürzt' auch in Trümmer Walhalls strahlende Pracht“!
Das ist dieselbe Sprache, die sie in ihrer ersten Liebesseligkeit geredet, und liebesselig stürzt sie, da sie den nahenden Hornruf Sigfrids vernimmt, in ihres— Gottes Arm'. Aber statt ihres Gottes naht ihr— ‚ein Unhold', der sich Gibichung Gunther nennt und gegen den auch der Ring nicht schützt, da er ihn in heißem Kampfe ihrem Finger entreißt.— ‚Was könntest du wehren, elendes Weib“? Mit diesen Worten hat Brunhild die ihr einst durch Wodan von der Stirne geküßte Gott- heit selbst abgelegt. Der Ringer aber hat, wie er meint, in Züchten geworben; das bezeuge sein blankes Schwert.
(b. 4) In eines Atems Zug ist Sigfrid mit Hilfe des Tarnhelms vom Brunhildenstein zu- rückgekehrt, und mit dramatischer Lebendigkeit schreitet die Handlung nun wieder am Rheine vor. Aber es ist ein zwischen Hypnotismus und Hyperästhesie sich bewegendes Leben, das in den ersten Scenen des zweiten Aktes sich entfaltet.— Der von Alberich zum Schwur aufgerufene, aber in echtem Nibelungen-Egoismus sich selber schwörende Hagen; die über die Grenzen weiblicher Wohlanständigkeit eifersüchtige Gudrun; der zur Hälfte des Wissens erwachende Sigfrid; die die andere Hälfte der Wahrheit halb verhüllende, halb ‚schamlos“ aufdeckende Brunhild; der unter dem Fluche seiner Erbärmlichkeit sich windende Gunther; dazu der Eid ‚bei des Speeres Spitze“, der Aufruhr der empörten Mannen, die den Donner anrufen,„zu schweigen die wütende Schmach:: das alles folgt mit einer so fieberhaften Hast, daß wir die Mahnung Sigfrids an Gunther: ,Gönnt ihr Weil' und Ruh', der wilden Felsen-Frau“! wohl auch als eine Mahnung an den Dichter-Komponisten, die Nerven der Hörer zu schonen, in Anspruch nehmen dürften. Und selbst ,der einz'ge Blick seines blitzenden Auges', der in der letzten Scene leuchtend zu Brunhild strahlt, er vermag nicht, das Mordbeben, das diesen Akt durchzittert, als versöhnendes Moment zu mildern.
(b. 5) Erst im dritten Aufzuge schreitet die Handlung wieder groß und frei vor und dem Ende zu. Der Gesang der Rheintöchter, die den auf der Jagd verirrten Sigfrid durch Bitten, Schmeicheln und Drohen zur Herausgabe des Ringes zu bewegen suchen; die Verblendung, mit welcher der sorglose Held ihre Warnung mißachtet; die Begegnung mit Gunther und Hagen und den Manmnen, denen er in rascher Folge die Geschichte seines Lebens erzählt; die Geständnisse, die


