sagte, hiermit habe er sich nun der Otterbuße entledigt. Und als Odin seinen Speer genommen hatte, und Loki seine Schuhe, daß sie sich nicht mehr fürchten durften, da sprach Loki, es solle bei dem bleiben, was Andwari gesagt hatte, daß der Ring und das Gold dem Besitzer das Leben kosten solle.
Als Hreidmar das Gold als Sohnesbuße empfangen hatte, verlangten Fafnir und Regin ihren Teil davon als Bruderbuße; aber Hreidmar gönnte ihnen nicht einen Pfennig davon. Da kamen die Brüder überein, ihren Vater des Goldes wegen zu töten. Als das geschehen war, ver- langte Regin, daß Fafnir das Gold zur Hälfte mit ihm teilen sollte. Fafnir antwortete, es sei wenig Hoffnung, daß er das Gold mit seinem Bruder teilen werde, und gebot ihm, sich davonzu- machen, denn sonst würde es ihm ergehen wie dem Hreidmar. Fafnir hatte das Schwert Hrotti und den Helm, den Hreidmar besessen hatte, genommen und den Helm auf sein Haupt gesetzt. Der hieß Ogishelm, und war allen Lebendigen ein Schrecken ihn zu schauen. Regin hatte das Schwert, das Refil hieß; damit entfloh er. Fafnir aber fuhr auf die Gnitaheide, machte sich da ein Bette, nahm Schlangengestalt an und lag auf dem Golde.)
2) Der Wölsungen Schwert.“)— Wölsung war ein mächtiger König in Hunaland. Er hatte zehn Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn hieß Sigmund, und Signy war seine Zwil- lingsschwester.— Da war auch ein König in Gotland, der hieß Siggeir. Der warb um Signy, and sie ward dem ungeliebten Manne verlobt. Wie nun Hochzeit in Wölsungs Saal gefeiert wird, da tritt ein Mann in weitem Mantel herein, barfuß, die Linnenhosen am Beine zusammengeknüpft, alt, grau und einäugig. Und er hat ein gewaltiges Schwert in der Hand, stößt es in den Stamm des Baumes, der in der Halle steht und mit seinen blütevollen Zweigen das Dach überragt, und verspricht es dem zu eigen, der es aus dem Stamme herausziehen würde. Dann verläßt er die Halle, und niemand weiß, wohin er geht. Da versuchen sich die Männer, das Schwert herauszu- ziehen, aber keinem will es gelingen. Als aber Sigmund herantritt, ergreift er das Schwert und reißt es mit einem Ruck aus dem Stamme. Siggeir bietet ihm an, er wolle ihm das Schwert drei- fach mit Gold aufwägen, aber Sigmund will sich nicht dazu verstehen. Am folgenden Morgen zieht Siggeir heim und lädt seinen Schwiegervater nebst dessen Söhnen und großem Gefolge zu sich nach Gotland ein.
Nach drei Monaten kommt Wölsung mit seinen Söhnen und vielen Mannen zum Gastgebot Siggeirs. Der aber sinnt Verrat, und obgleich Signy ihren Vater und ihre Brüder warnt, kommt es dennoch zum Kampf. König Wölsung fällt, seine Söhne aber werden gefangen und in Bande geschlagen. Und da sie im Stock liegen, kommt neun Nächte nach einander eine Wölfin“) und tötet einen nach dem andern. Nur Sigmund gelingt es, sich frei zu machen und die Wölfin selber zu töten. Und nun lebt er in einer Erdhöhle im wilden Walde.— Nach einigen Jahren gebar Signy einen Sohn, der ward Sinfiötli genannt. Er war groß und stark und schön von Antlitz und artete nach den Wölsungen. Als der Knabe noch nicht 10 Jahre alt war, sandte ihn Signy, nach- dem sie ihn verschiedene Mutproben hatte bestehen lassen?), nach der Erdhöhle hinaus zu Sigmund. Der nimmt ihn zu sich und weiß nicht, daß es sein eigener Sohn ist, den Signy durch Gestalten- tausch von ihm empfangen hatte. Und Sigmund und Sinfiötli schweifen lange als Wölfe im Walde umher.*) Als aber Sigmund die Zeit gekommen erachtet, an Siggeir Rache zu nehmen, da dringt er mit Sinfiötli in dessen Gehöfte ein, und sie kommen bis in das Vorhaus der Halle. Da erhebt sich ein gewaltiger Kampf. Sigmund und Sinfiötli erliegen der Uebermacht und werden gefangen genommen und gefesselt. Siggeir läßt aus Steinen und Rasen ein großes Hügelgrab bauen und mitten hinein eine große Felsplatte setzen, die den Raum in zwei Hälften teilt. Dahinein setzt er Sigmund und Sinfiötli, auf jede Seite der Felsplatte einen. In der Nacht findet Sinfiötli in dem mit Stroh umhüllten Speck, den Signy in den Hügel hatte werfen lassen, das Schwert Sigmunds, das Wölsungenschwert, das Siggeir geraubt hatte. Und so heißt es im Liede:


