Aufsatz 
Das ß im Neuhochdeutschen
Entstehung
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b) im In- und Auslant. Man vergleiche

Amsel m. ousel*) Gans m. goose lesen m. lease ſuns m. us Banse boose Hals halse lose loose Verlies lose Besen besom Hanse hanse Maus mouse Wasen woos Börse purse Haus house Nase nose weise wise Busen bosom Käse cheese Pause pause Weise wise Dose dose kiesen choose reisen rise Wiesel weasel Eseleasel(a painter's) Laus louse Rose rose zeisen tease

Rhotacismus begegnet in der Conjugation(im Nhd. r häufiger als im Englischen) und in der Wortbildung. Man vergleiche.

1) m. vriesen vrôs vrurn gevrorn ags. freösan freâs fruron froren n. frieren fror froren gefroren engl. freeze froze froze frozen

2) m. kiesen kôs kurn gekorn ags. ceôsan ceũůs curon coren n. kiesen kor koren gekoren engl. choose chose chose chosen

3) m.(ver)liesen 10s lorn jlorn ags. leõsan leâs luron loren n.(ver)lieren lor loren loren engl. lose(mit schwacher Conj. lost, lost).

Dazu ad 1) Friesel, Frost, frösteln engl. frost, frosty, aber auch frory. 2) kosten(gustare), küren, Kurfürst ete. engl. choice(d. Berühr. m. fr. choisir). 3) Verlies, Verlust(auch Verlurst) engl. loose, loss, aber auch forlorn. Vgl. ferner: Eisen mit iron(ags. isen, isern, wie ahd. isan aus isarn), Hase mit hare(ags. hara, skr. çaça, eig. Springer, von çaç springen); dagegen war mit was (während mhd. noch was).

Uebereinstimmend habener für goth. s: Beere und berry(g. basi), lehren und learn(zu g. lais, lis, s. Gleis), Ohr und ear(g. äusòô, a. und alts. ôrâ, m. ôre, ags. eüre; vgl. lat. auris f. ausis); mit franz. s berührt sich hochd. r in Rohr und roseau(g. räus, prov. raus; dagegen engl. rush aus lat. ruscus).

In- und auslautendes s ist zusch geworden in birschen(m. birsen v. altfr. berser), Bursch(älter-nhd. bors, aus mlat. bursa), falsch(schon mhd. valsch, aus altfr. fals v. lat. falsus), herrschen(eig. herschen, m. hérsen, a. héêérisôn, v. hèêr= hehr) u. a., welchen sich auch Hirsch(m. hirz, a. hiruz, a. höorot, engl. hart; also sch für E, t) anschließt.(Vgl. S. 42 Note 8.)

2. Doppeltes(geminiertes) s, also historisch richtiges ss

entspricht goth. und sächs., also auch engl. ss als Bezeichnung der Kürze des vorhergehenden Vocals, weshalb es sich im Engl. auch in Wörtern findet, bei welchen im Nhd. unorganische Dehnung eingetreten ist. Vgl. ass mit Esel(g. äàsilus aus lat. àsinus; dag. nhd. Assel in Kellerassel aus aséllus), glass mit Glas, grass mit Gras(in Norddeutschland richtig Glass, Grass gesprochen) etc.

Die in Abschn. I. besprochene Verwirrung in Bezug auf wurde, wie dort ebenfalls angedeutet, durch dieses ss noch beträchtlich vermehrt, indem einerseits inlautendes 6. als ss geschrieben, mit diesem zusammen- fiel, andererseits auslautendes ss, als geschrieben, seine Charaktereigen- thümlichkeit verwischte oder geradezu verlor. Man vergleiche

a) nhd. haſſen mit engl. hate b) nhd. Kuß mit engl. kiss u. miſſen miss, u. Nuß nut.

Diese die etymologische Erkenntnis der deutschen Sprache erschwe- rende und ihre Beziehungen zu anderen Sprachen der germanischen Familie beeinträchtigende Verwirrung veranlaßt uns, dem in Abschn. IV. gegebenen Wörterverzeichnisse in gedrängtester Kürze ein zweites entgegenzustellen,

*) daneben ouzel. Hierüber, sowie überhaupt über den durch romanischen Ein- fluß bewirkten Wechsel des s mit z und dentalem c s. Mätzn. I. 132 ff.