Schulhauſes endlich ſoweit vorgeſchritten, daß wir an den Ueberzug in daſſelbe denken konnten. Als Tag der Einweihung wurde der 23. April 1873 feſtgeſetzt. Ein Comité von älteren Schülern, das ſich gebildet hatte, ſtellte uns die durch freiwillige Beiträge beigebrachten Mittel zur Erhöhung der Feſtlichkeiten in aus⸗ reichendem Maße zur Verfügung und wir verfehlen nicht, demſelben ſowie den gütigen Gebern unſeren herzlichſten Dank hier auszuſprechen. Des Vormittags um 9 Uhr verſammelten ſich Lehrer und Schüler, die Vertreter der eingeladenen Behörden und des Stadtvorſtandes, die Lehrer der übrigen öffentlichen Schulen, eine große Zahl älterer Schüler und Freunde der Schule in dem Hofe des alten Realſchulgebäudes. Nach Abſingung eines Chorals und einer kurzen An— ſprache des Reallehrers Kuhl, in welcher derſelbe von den alten Räumlichkeiten Abſchied nahm, ſetzte ſich gegen 10 Uhr der Feſtzug, die ganze Muſik unſeres 4. Infanterieregiments No. 118 an der Spitze, in Bewegung, zog durch mehrere Straßen der Stadt und nahm vor dem neuen Schulgebäude Aufſtellung. Ein von den Schülern geſungener Choral begrüßte das Gebäude, worauf der Er— bauer deſſelben, Herr Stadtbaumeiſter Raupp mit einer kurzen Anſprache den Schlüſſel an den Bürgermeiſter Hirſchmann überreichte, welchen dieſer ſofort dem Director übergab, der im Namen Gottes das Gebäude öffnete. Die Theil— nehmar des Zuges traten dann in den Feſtſaal ein, wo ſich auch in Vertretung der Staatsregierung die Herren Miniſterialdirector Freiherr v. Starck und Miniſterialrath Knorr eingefundeu hatten, welche auf ergangene Einladung das Feſt mit ihrer Theilnahme beehrten. Die Feier im Feſtſaale wurde durch eine Rede des Bürgermeiſters Hirſchmann eröffnet, der Namens der Gemeinde das Haus für die Schule übergab. Auf ihn folgte die von Director Greim gehaltene Feſtrede und im Namen der früheren Schüler eine warme Anſprache des Herrn Emil Pirazzi. Geſänge der Schüler und eines trefflichen Quartetts aus dem hier beſtehenden Geſangvereine Polyhymia, dem wir für ſeine Mitwirkung unſeren beſten Dank hier auszuſprechen uns verpflichtet fühlen, fügten ſich zwiſchen die einzelnen Reden ein und trugen das Ihrige zur Belebung und Verſchönerung der Freier bei. Dem Programm gemäß folgte die Beſichtigung des neuen Schul— hauſes in ſeinen einzelnen Theilen und darauf ein Feſtmahl, bei dem es an ernſten und heiteren Trinkſprüchen auf Se. Majeſtät den deutſchen Kaiſer, Se. könig— lichen Hoheit den Großherzog, die Stadt Offenbach, das jetzige Miniſterium und ſeine anweſenden Vertreter, die Lehrer und Schüler der Anſtalt u. ſ. w. nicht fehlte.
Das für den Nachmittag in Ausſicht genommene Schülerfeſt mußte leider der ungünſtigen Witterung wegen auf den nächſten geeigneten Nachmittag ver— ſchoben werden.
Der folgende Morgen vereinigte wieder Lehrer und Schüler in dem Feſt⸗ ſaale zu einer von Reallehrer Walther geleiteten gemeinſamen Andacht und Ge— bet, worauf der Unterricht in den neuen Räumen ſeinen Anfang nahm.
Für einige Geſchenke, die im Laufe des Jahres der Schule zu Theil wurden, haben wir hier noch unſeren Dank auszuſprechen. Wir erhielten von der Großherzoglichen Oberſtudien⸗Direktion die Veröffentlichungen der Centralſtelle für Landesſtatiſtik; vom Offenbacher Verein für Naturkunde deſſen Jahresbericht; von Herrn Guſtav Wolff, bei Gelegenheit des Austritts ſeines Sohnes Karl, zehn Gulden zur beliebigen Verwendung für die Schule; es wurde dafür eine Aneroid-Barometer gekauft und die fehlenden fünf Gulden von Herrn M. Kappus zugelegt; von Herrn Reallehrer Dr. Landmann, die


