Aufsatz 
Das ß im Neuhochdeutschen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

die Ludwigsſäule, das Zeughaus, das Großherzogliche Reſidenzſchloß, das Gym naſium, das Polytechnikum und das Veteranendenkmal auf dem Marienplatze be ſichtigt und dann mit der Odenwaldbahn die Reiſe nach Erbach fortgeſetzt. Dort galt der Beſuch den berühmten Sammlungen im Schloſſe des Herrn Grafen von Erbach. Auf kurzem Umweg über die ſchön gelegene Sophienhöhe, die einen Ueberblick über den ſchönſten Theil des oberen Mümlingthales gewährt, ging es nach Michelſtadt zum Mittageſſen im Gaſthauſe zum Loͤwen. Nach Tiſch blieb nur noch Zeit, die Drahtzieherei der Herren Reubold und Mainzhauſen zu be⸗ ſichtigen, da der Fahrplan der Eiſenbahnen uns nöthigte, unſeren Rückweg ſchon um 5 Uhr anzutreten. Abends 9 Uhr kam die ganze Geſellſchaft wohlbehalten wieder in Offenbach an.

An demſelben Tage unternahm die III. Klaſſe, die ſonſt an dem größeren Ausfluge betheiligt war, dieſes Mal aber wegen der zu großen Schülerzahl aus geſchloſſen wurde, unter Führung ihrer Klaſſenlehrer Walther und Dr. Schön einen kleineren Ausflug nach Steinheim, Hanau und Wilhelmsbad.

Am 2. September fand auch in unſerer Schule eine Feier zum Andenken an die Schlacht von Sedan ſtatt. Nachdem am Vormittag die Schüler in den einzelnen Klaſſen an die Bedeutung des Tages erinnert wurden, zog die ganze Schule am Nachmittage auf den Exerzierplatz auf dem Bieberer Berge, wo ſich die Schüler mit Freiuͤbungen und Turnſpielen die Zeit vertrieben.

Am 10. September traten, der neuen Gehaltsregulirung gemäß, Beſoldungs⸗ erhöhungen für die definitiv angeſtellten Lehrer ein.

Der bisherige proviſoriſche Lehrer Dr. Freſenius wurde durch Allerhöch ſtes Decret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 23. September defini⸗ tiv an unſerer Schule angeſtellt.

Der 30. October war für unſere Schule ein Tag der Trauer. Adolph Lindt, ein braver und fleißiger Schüler der erſten Klaſſe, war nach kurzem Kranken lager am 29. October geſtorben und wurde am 30. von einem Theile ſeiner Lehrer und Mitſſchüler zu ſeiner letzten Ruheſtätte geleitet.

Der Reallehrer Dr. Böttger mußte leider wegen Krankheit Anfang December um Urlaub nachſuchen. Da ſich ſein Geſundheitszuſtand Ende Januar noch nicht gebeſſert hatte und ein längeres Vicariat für die Schule von zu großem Nachtheile geweſen wäre, ſo ſtellte er einen Stellvertreter in der Perſon des Herrn Müller aus Cöln. Mit Beginn der Schule nach den Oſterferien 1873 fühlte ſich Dr. Böttger wieder ſo gekräftigt, daß er ſeine Unterrichtsſtunden wieder über nehmen konnte.

Durch das Vertrauen der Wähler der Kreisſtadt Offenbach wurde Heer Director Greim zum Abgeordneten der II. Kammer des Großherzogthums berufen und ihm von der Großherzoglichen Staatsregierung der erbetene Urlaub bewilligt. Für die Dauer ſeiner Abweſenheit wurde dem Reallehrer Kuhl die Direction über⸗ tragen, die Reallehrer Dr. Landmann, Dr. Freſenius und Dr. Germann übernahmen die von ihm zu ertheilenden Lehrſtunden.

Herr Schulinſpector Dr. Sommerlad, bisher Mitglied der Lokal⸗ Kommiſſion für die Realſchule, war, wegen Ueberhäufung an Berufsgeſchäften, um Entbindung von dieſer Stelle bei Großherzoglichem Miniſterium des Inneren eingekommen. Die erbetene Entlaſſung wurde demſelben ertheilt und an ſeine Stelle der Großherzogliche Reallehrer Kuhl ernannt.

Anfang April war der Bau und die innere Einrichtung unſeres neuen