— 4—
Gemüsegegenden Deutschlands bekannten mögen sie geringfügig erscheinen; doch hängt dies mit der Art der Bodenbewirtschaf- tung, die ganz auf Parzellenbetrieb beruht, zusammen. Wenn man berücksichtigt, daß in dem einen der genannten Orte fast das gesamte unbebaute Gelände, in dem anderen ein großer Teil ausschließlich für Gemüsebau verwendet und, in Parzellen von etwa 1— 4 Hektar geteilt, von einer großen Anzahl Gärtner ¹) bewirtschaftet wird, so kommen in der Gesamtheit doch ganz beträchtliche Zahlen heraus.
Bisher hatte man über ernstliche Schädigungen der Sellerie- kulturen in hiesiger Gegend nicht zu klagen. Vielmehr wurden im allgemeinen sehr gute Ernten erzielt und Knollen von hervor- ragender Größe gezogen. Erst in allerletzter Zeit, vornehmlich im vorigen Jahre, machten sich Krankheitserscheinungen in unangenehmer Weise bemerkbar. Schon im Sommer konnte man häufig auf den Feldern eine Erkrankung der Knollen wahrnehmen, und das Krankheitsbild ließ keinen Zweifel darüber, daß es sich um die sogenannte Schorfkrankheit handelte, die in letzter Zeit vor allem in den Hamburger Marschlanden ver-
bau ist ganz vorzüglich in der Gegend von Frankfurt und hat hier den höchsten Grad erreicht, besonders aber in der Gemarkung von Sachsenhausen, gegen Oberrad hin. Man sieht hier, was Fleiß und Einsicht des Menschen, was die Verteilung der Gründe unter viele Eigentümer vermögen. Die ganze Gemarkung, oft in kleine Stücke getheilt, scheint nur ein Garten zu seyn. Alles wird hier mit der Hand und dem Spaten gebaut, der Dünger in überaus großer Menge eingegraben. Die Nähe der Stadt und der große Viehstand in Sachsenhausen selbst geben hiezu gute Gelegenheit. So ist es möglich, fast jede Scholle Erde zwei und drei Mal in einem Jahr zu nutzen. Die Mühe wird auch reichlich gelohnt. Das nahe Frankfurt verzehrt überaus große Quantitäten, und es geht auch ein Beträchtliches nach Mainz und Aschaffenburg, ja noch weiter den Main hinauf. Aschaffenburg hat zwar ebenfalls, besonders seit der durch die angesiedelten Mainzer so sehr ver- mehrten Volksmenge, beträchtlich Gemüssbau; aber theils hält man das Frank- furter für weit zärter, geschmackvoller und besser, theils zieht man nicht genug, theils gedeihen einige Arten, z. B. Blumenkohl, welcher in fast unglaub- licher Menge in Frankfurt wächst, garnicht, theils zieht man in Frankfurt und Hanau alle Sorten weit früher.“
Diese geschichtlichen Notizen verdanke ich Herrn Prof. Dr. Bothe, dem ich auch an dieser Stelle bestens danke.
¹) Nach einer Statistik aus dem Jahre 1905, die ich dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Prof. Sittig verdanke, gab es in Oberrad 266 und in Sachsenhausen 108 Gemüsegärtnereien.


