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Berufe folgen und ſeiner ferneren Fürſorge enteilen ſieht. Ihrer gütigen Nachſicht vertrauend, berühre ich daher zunächſt die perſönliche Beziehung, ich welche ich vor bereits einem Jahre zu dieſer Anſtalt und namentlich zu dieſen, meiner beſonderen Obhut übergebenen Schülern getreten bin.
Von jeher mit treuer Anhänglichkeit dem Lande ergeben, welchem ich meiner Geburt nach angehöre, an welches mich unauflösliche Bande der Verwandtſchaft und Freundſchaft feſſeln, welches überdies in faſt jeder Hinſicht bevorzugt erſcheint, hegte ich doch ſchon frühe den ſehnlichen Wunſch, mich auch in andern Gegenden umzuſehen, auch andere Sitten, Gebräuche und Einrichtungen kennen zu lernen. Mit den Jahren wurde dieſer Wunſch immer lebhafter und durch die Überzeugung unterſtützt, daß die Erfüllung desſelben am ſicherſten vor Einſeitigkeit bewahre, und gefaßte Vorurtheile verſcheuche. Daher verſagte ich mir gern manche Jugendver⸗ gnügungen, entzog mir manche Bequemlichkeit, um zur Befriedigung dieſes Wunſches wenigſtens einige Mittel zu erübrigen. Auf ſolche Weiſe wurde mir zwar die Mög⸗ lichkeit gewährt, die ſchönſten Gaue unſeres großen deutſchen Vaterlandes zu durch⸗ wandern; aber nichts deſto weniger trat mir überall die Beſchränktheit meiner äußeren Verhältniſſe hemmend in den Weg: denn wenn ich auch, durch glückliche Umſtände begünſtigt, in verſchiedenen Gegenden etwas länger verweilte; ſo fühlte ich doch klar, wie weit ich von dem geſteckten Ziele noch entfernt blieb. Solche Wanderungen bringen freilich einem jeden jungen Manne für ſein ganzes Leben mannigfachen großen Gewinn, und ſind unſtreitig für höher zu achten, als ſelbſt weit ausgedehnte Reiſen, welche durch die Kraft des Dampfes allzu ſehr beſchleunigt werden. Soll jedoch der Aufenthalt in fremden Gegenden für irgend einen beſtimmten Beruf wahrhaft förderlich ſein, ſo darf er ſich nicht auf wenige Tage oder Wochen beſchränken: man muß nicht bloß flüchtig beobachten, man muß auch mit andern Menſchen zu leben und unter ihnen zu wirken verſucht haben.—
Daher betrachtete ich es als eine beſondere Gunſt meines Geſchickes, daß mir nach kaum beendigten Univerſitätsſtudien die Gelegenheit geboten wurde, an dem Lyceum zu Hannover eine Lehrerſtelle zu übernehmen. Der Wirkungskreis an einer der bedeutendſten Bildungsanſtalten des mir ſchon durch Göttingen werth ge⸗ wordenen Königreiches, der Aufenthalt in der Hauptſtadt des Landes, die mir noch


