Aufsatz 
Über die Behandlung der geometrischen Grundbegriffe / Kutsch
Entstehung
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Proceß eine Größe zu erzeugen, ſuchen Ausdehnung zu gewinnen. Dies geſchieht aber durch Bewegung, welche demnach zunächſt die Linie erzeugt. Eben ſo wird man aus der Linie die Fläche, und aus dieſer den Körper erhalten durch Bewegung; doch wird in den beiden letzten Fällen die Bedingung hinzutreten müſſen, daß bei der Bewegung nicht etwa mit dem Vorrücken eines Punktes ſämmtliche übrigen in ſolche Stelle nachrücken, welche ſchon früher Punkte der bereits vorhandenen Linie oder Fläche ſelbſt waren. Denn auf ſolche Weiſe würde die Bewegung nur dazu dienen, die urſprüngliche Linie oder Fläche zu vergrößern(verlängern erweitern), ohne dem vorhandenen Raumgebilde niederer Stufe eine neue Dimenſion hinzuzu⸗ fügen, als wodurch allein es doch das der höheren Stufe wird erzeugen können. In oberfläch⸗ licher Kürze kann man ſich wohl ausdrücken: die Bewegung der Linie oder Fläche müſſe in jenem Falle»ſeitwärts«(in ſeitlicher»Richtung«*)) ſtatthaben. Iſt man auf dieſe Weiſe von unten aufſteigend bei dem Körper mit ſeinen drei Dimenſionen angelangt: ſo exiſtirt kein rein logiſcher Grund, der uns abhielte, daß wir das Mittel der Bewegung weiterhin noch anzu⸗ wenden ſuchten, um etwa ein Raunding von vier Dimenſionen zu erhalten: das einzige Hinderniß bietet immer wiederum nur die Grundanſchauung, welche wir von dem Raume haben.

Noch möge bemerkt werden, daß, da ſowohl eine Linie, als eine Fläche, wie auch ein Körper durch Hinwegnehmen und Weiterrücken ſeiner Gränze beliebig vergrößert gedacht werden kann, man, inſofern von der Begränzung entweder gänzlich oder ſtellenweiſe geradezu abgeſehen wird, uneigentlich von einer»unendlichen« Linie, Fläche, und dieſem Kitiprechond von einem unendlichen»körperlichen Raume« redet.

Ganz anders und einfach geſtaltet ſich das der obigen Betrachtung entſprechende Verhältniß für die Zeitgrößen. Gränzen hat jede Zeitgröße, und zwar zwei: dieſe jedoch ſind nicht ſelbſt wiederum Größen, daher auch nicht von Neuem begränzbarv; ſie haben keine Ausdehnung mehr. Die Zeitgröße ſteht alſo, in gedachter Beziehung mit den Raumgrößen verglichen, ganz auf der Stufe der Linie, daher ſelbſt die hierher gehörigen Ausdrücke

*) Die hier vorkommende Bedeutung des Wortes»Richtung« iſt die eigentliche, urſprüngliche, und iſt, indem ſie eine Beziehung zur Bewegung andeutet, nicht zu verwechſeln mit derjenigen, wonach man Richtung« auch wohl ſchlechtweg ſtatt»gerade Linier(unendlich lang gedacht) ſetzt.