Aufsatz 
Über die Abhängigkeit der magnetischen Hysteresis : der Magnetisierbarkeit und des elektrischen Leitungsvermögens des Eisens und des Nickels von der Temperatur / von Wilhelm Kunz
Entstehung
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Zeit konstant zu halten und zu messen, dann darin, heiße und besonders glühende Metallstücke in geeigneter Weise magnetisierenden Kräften zu unterwerfen. Die ersten Beobachter, die den Zusammenhang zwischen Temperatur und Magnetismus zum Gegenstand ihrer Studien machten, arbeiteten denn auch mit verhältnismäßig niedrigen Temperaturen. Doch ist von ihnen meist die Größe der magnetisierenden Kräfte nicht in Rechnung gezogen worden oder wenigstens nicht aus den Veröffentlichungen zu entnehmen; deshalb sind die Angaben unvollständig und scheinen sich teilweise zu widersprechen.

Ueber die Versuche bis zum Jahre 1880 findet sich ein genauer Bericht in Wiedemanns Elektricität, III. Bd., 1883.

Hervorzuheben sind die Untersuchungen von RowLAND1¹), 1873 1874 und von C. BAUR ²) 1880. Nach dieser Zeit sind noch Versuche angestellt worden von TRowBRIDGE und MC RaA), welche die Wirkung der Temperatur auf die magnetische Permeabilität des Eisens und Kobalts untersucht haben innerhalb der Grenzen 40° und 280⁰°C. Die Versuche BERSONS 4) 1886 über das Verhalten von Eisen-, Stahl- und Nickelstäben in einem konstanten Feld erstrecken sich bis zu Temperaturen von etwa 3400°, die vermittelst eines Paraffinbades erzeugt wurden. Für Nickel fand er die wichtigen Resultate, daß sowohl das totale wie das temporäre Moment mit der Temperatur wächst bis über 200°C, dann abnimmt und bei Temperaturen unterhalb 340⁰°C verschwindet; das remanente Moment nimmt fortwährend ab und wird Null bei derselben Temperatur wie das totale.

Bei seiner Arbeit über den Zusammenhang zwischen Magnetisierbarkeit und elektrischem Leitungsvermögen hat W. KoHERAUSCH5)(1887) für verschiedene Eisensorten und Nickel die Magnetisierbarkeit eines durch hindurchfließenden Strom erhitzten Drahtes durch die Anziehung gemessen, welche ein in gleicher Höhe quer vor seiner Mitte aufgestellter Elektromagnet auf den Draht ausübte. Es ergab sich, daß die Magnetisierbarkeit im allgemeinen bei Rotglut ver- schwindet, daß sie aber nahe vor vollständigem Verschwinden sehr langsam abnimmt.

Im Jahre 1888 hat LEDEBOER6) seine Arbeiten über den Einfluß der Temperatur auf die Magnetisierung des Eisens veröffentlicht. Er ermittelte die magnetischen Momente eines in einer Magnetisierungsspule befindlichen und erhitzten weichen Eisenstabes durch Messen des Selbstinduktionskoéfficienten der Spule. Der Stab wurde, wie schon Seite 7 erwähnt, durch eine um ihn gewickelte, stromdurchflossene Platinspirale erhitzt; zwischen Eisenstab und Platindraht war ein Thermoelement geschoben, vermittelst dessen die Temperatur gemessen wurde; alle nötigen Isolationen bestanden aus Glimmerblättchen. LEDEBOER hat gefunden, daß die magnetische Permeabilität des weichen Eisens in den von ihm gewählten Feldern von 35, 100 und 200(c, g, s) fast unabhängig war von der Temperatur bis gegen 680°C, wo eine plötzliche Aenderung eintritt und die Permeabilität auf einen kleinen Bruchteil des ur- sprünglichen Wertes herabging.

Die umfassendsten Versuche über das magnetische Verhalten von Eisen, Stahl, Nickel und Legierungen dieser Metalle bei hohen Temperaturen hat in neuester Zeit, 1889, J. HopkiNSoN!) angestellt und zwar auf zwei Arten.

Er untersuchte seine Metalle in Ringform, die er, wie schon erwähnt, in einem Gasofen erwärmte, nach der ballistischen Methode, einmal bei konstant gehaltener, magnetisierender Kraft und variabler Temperatur, das andere Mal bei konstanter Temperatur und veränderlicher magnetisierender Kraft. Es zeigte sich, daß die Magnetisierung des Eisens und Stahles für geringe magnetisierende Kräfte stetig zunimmt, wenn die Temperatur steigt; in der Nähe der

¹) Phil. Mag., XLVI, p. 140 und XLVIII, p. 321, 1873 u. 1874. ²) WIEDEM. Ann., XI, p. 394, 1880.

³) Proceedings of the Am. Ac. of Arts and Sc., May 1885.

4) La Lum. El., XXI, p. 361, 1886.

³) WIEDEM. Ann., XXXIII, p. 42, 1888.

G6) La Lum. El., XXVII, p. 61, 1888.

) Trans. of the Roy. Soc., p. 443, 1889.