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Nach Beendigung dieses Schulfestes wurden dem Jubilar von dem Fest-Comité zwei Album überreicht, welche die Photographien seiner Collegen, sowie früherer Schüler und Freunde enthielten, wobei im Namen derselben Herr Cox das Wort führte und in sinniger Weise das specielle Fach des Jubilars mit der Erfindung Daguerre's in Verbindung zu setzen verstand. Das Festessen im groszen Saale des Casino's, der im festlichen Schmuck prangte, begann um 2 ½ Uhr Nachmittags, unter zahlreicher Betheiligung von nah und fern. Der erste Toast galt, wie immer im lieben Vater- lande schöne Sitte es erheischt, dem deutschen Kaiser, in begeisterten Worten ausgebracht vom ersten Beigeordneten Herrn Theodor Lucas. Zum zweiten Toaste auf den Jubilar selbst ergriff der Di- rector der Realschule, Herr Dr. Cramer, das Wort. Obwohl Nichts leichter sei, das war unge- fähr der Grundgedanke seiner kernigen, lebhaften Beifall erweckenden Ansprache, als auf eine durch Verdienste ausgezeichnete Persönlichkeit bei festlicher Stimmung Worte der Anerkennung zu sprechen, so sei ihm die Aufgabe in diesem Moment doch unendlich erschwert, indem er einen langjährigen Freund und Mitarbeiter verlieren müsse. Ein schöner Trost sei ihm geblieben, die Gewiszheit, dasz dieses theuren Freundes Name dauernd mit der Schule verknüpft werde, indem edle Freunde des Jubilars eine Proff-Stiftung gegründet hätten.*) Den dritten Toast sprach der Jubilar. Er danke mit bewegtem Herzen für all' die Freude, welche ihm Mitbürger, Collegen und Schüler bereitet hätten, und fühle sich gehoben und für den Abend seines Lebens gekräftigt durch die Ueberzeugung, welche ihm die gegenwärtige Feier in seiner Seele befestige, dasz sein Wirken kein vergebliches gewesen sei und er in den Herzen seiner vielen Freunde fortleben werde. Bald machte sich bei den Klängen der Musik, den muntern, humoristisch gewürzten Liedern in hochdeutscher und Mülheimer Mundart, den vielen Toasten ernster und scherzhafter Art eine immer fröhlichere Stimmung geltend, welche bis zum späten Abend alle Gäste beseelte.
Von unserem bergischen Dichter v. Zuccalmaglio(Montanus) war ein Festlied eingesandt, das in seiner schönen Composition unseres verstorbenen Dr. D'Alquen sich besonderen Beifall erwarb. Die 4. Strophe lautete:
Heil dem Greise, Heil dem Treuen, Mög' uns Gott den biedern Alten, Den an seines Wirkens Ziel Der von echtem deutschen Stoff, Gottes Güte liesz erfreuen, Lang im neuen Reich erhalten, Dasz ein alter Bann zerfiel! Unsern Andernacher Proffl
Ferner muszte die Schluszstrophe eines andern Liedes wiederholt werden: Lebe lang in uns'rer Mitte, Sah'st ersteh'n ja aus der Kleinheit Was Du sätest, ärndte auch! Deutschland wie im Traum zur Pracht! Was Du lehrtest: Bildung, Sitte, Lebe bis auch uns die Einheit Sieh' erblüh'n in unserm Brauch! Deiner Lehre Frucht gebracht!
Noch viele andere Lieder wurden gesungen, noch manche Toaste gesprochen, und so verlief in der heitersten Weise ein Fest, dessen Erinnerung noch lange nachhalten wird in den Herzen aller, die daran Theil genommen haben.“
2) Beim Schlusse des Winter-Semesters verliess Herr Friedrich Pfarrius die hiesige Realschule, um in das Lehrer-Collegium der höheren Bürgerschule zu Barmen einzutreten. An seine Stelle wurde Herr Hugo Hoffmann, zuletzt Lehrer an der Realschule zu Elberfeld, berufen. In Folge dessen wurden einige Aenderungen im Lectionsplane nothwendig. Die Mitleitung des Turn- unterrichts fiel Herrn Schaum zu.
3) Die Vor-Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde am Samstag den 21. März durch besondern Gottesdienst, dann unter zahlreicher Betheiligung in der Aula durch einen Redeact und Gesang begangen. Festredner war Herr Oberlehrer Bode.
4) Das Jahr hindurch nahmen die Schüler in gewohnter Weise an dem Schulgottesdienste Theil. Zwanzig durch den Religionslehrer Dr. Birck in besonderem Unterricht vorgebildete Schüler wurden am 10. Mai zur ersten h. Communion geführt. Am 17. Mai fand die Confirmation der evangeli- schen Knaben statt, wozu sieben unserer Schüler durch Pfarrer Schepers auszerhalb der Schul- stunden vorbereitet waren.
*) Ueber diese Stiftung wird im nächsten Jahresberichte genauere Mittheilung erfolgen. D. Dir.


