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besuchte er die dortige Rectoratschule bis zum Jahre 1825, dann bis 1830 das königliche katholische Gymnasium in Cöln. Als Abiturient erhielt er gleich seinem Mitschüler, dem heutigen Staatsminister O. Camphausen, das Zeugnisz Nr. IJ. Während der Jahre 1830— 34 studirte er auf der Universität Bonn Naturwissenschaften, Mathematik und alte Philologie. Professor Goldfusz, der Proff im natur- wissenschaftlichen Seminar genauer kennen gelernt hatte, wünschte, dasz er sich als Docent habilitire, wozu er auch Neigung hatte; allein es fehlte an den erforderlichen Mitteln. Im Herbst 1834 bestand er sein Examen vor der Wissenschaftlichen Prüfungs-Commission in Bonn und erlangte die Facultas docendi in den Naturwissenschaften, in den alten Sprachen und in der Mathematik. Als Candidat lehrte er dann zwei Jahre am katholischen Gymnasium in Cöln. Herbst 1836 erhielt er zu gleicher Zeit einen Ruf nach Baselstadt und nach Baselland. Goldfusz rieth ab. Bald nachher bot man ihm auch Stellen in Graudenz und in Culm an, die er, hauptsächlich wegen Erkrankung der Mutter, dann auch in Folge des Abrathens von Director Birnbaum, Professor Göller u. A. ausschlug. Dagegen folgte er einer durch die Königliche Regierung veranlaszten Einladung nach Mülbeim am Rhein an die Stelle des nach Cöln berufenen Dr. Backes, heutigen Directors der Prov.-Gewerbeschule. Hier wurde Proffs Thätigkeit eine sehr angestrengte: bis zu 32 Stunden hatte er zu übernehmen, d. i. den gesammten mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht an der sogenannten höheren Bürgerschule, zudem lateinische und griechische Lectionen. Im Jahre 1839 eröffnete er Vorlesungen über Experimental-Physik und Chemie, auch las er später über populäre Astronomie, und alle Vorträge erfreuten sich groszen Beifalls, wurden sogar von Cöln und Deutz her besucht. Er legte den Grund zu einer Sammlung physicalischer Instrumente, für die ein Theil des Honorars verwandt wurde. Anfangs der 40 er Jahre rief er in Gemeinschaft mit dem damaligen Zeichenlehrer Herrn Söller eine MHandwerkerschule ins Leben und ertheilte an derselben längere Zeit unentgeldlichen Unterricht in der Mathematik und Mechanik. Während der aufgeregten Zeit des Jahres 1848 wirkte Proff in den Arbeiterkreisen gegen die socialistischen Ideen und belehrte nach Kräften und mit der ihm eigenen Begeisterung dus Volk über die Nothwendigkeit des Strebens nach einem groszdeutschen Vaterlande unter Preuszens Führung. Der Rückschlag in der Politik verschaffte in Mülheim den Gegnern seiner Richtung den Sieg, und diese benutaten ihr Uebergewicht zu einer Zurückdrängung der von einem evangelischen Pfarrer geleiteten Schule. Proff kam in eine unangenehme Stel- lung; eine Untersuchung auf Grund einer Denunciation, er habe in seinem Geschichtsunterricht die Reformatoren in zu günstiges Licht gestellt, schlug zu seinen Gunsten aus. In Folge fortgesetzter Reibungen trat Herr Pfarrer Nöll im Jahre 1852 von der Direction der Schule zurück und Proff blieb eine Zeit lang alleiniger Lehrer der vielfach angefeindeten Anstalt. Er bewarb sich nicht um das Rectorat, wurde gleichwohl an erster Stelle gewählt; doch wurde ihm der an 2. Stelle präsen- tirte Dr. Pleimes vorgezogen. Eine Bürgerpetition zu Gunsten Proffs blieb ohne Erfolg.
Im Jahre 1861(12. Oktbr.) feierte die Bürgerschaft den Abschlusz 25jähriger Lehrerwirksam- keit in Mülheim unter groszer Betheiligung.
Im Jahre 1865 wurde Proff bei Gelegenheit der Erhebung unserer Anstalt zu einer berech- tigten höheren Bürgerschule zum Oberlebrer ernannt. Als solcher hat er gewirkt bis zu seinem Austritt im Herbst vorigen Jahres.
Am 2. Februar c. fand eine zweite Proff-Feier statt. Folgenden Festbericht veröffentlichte ein College im hiesigen Kreisblatt:
Mülheim am Rhein, 2. Febr. 1874. Heute feierte mit der Realschule I. Ordnung die Bürgerschaft unserer Stadt eines jener schönen Feste, in welchem edler Gemeinsinn, eine sich hier immer mehr Bahn brechende Hochachtung vor der Wissenschaft und freudige Anerkennung derselben durch eine glänzende Ovation, die einem ihrer Vertreter dargebracht wurde, in herrlicher Weise zu Tage trat. Es galt dem aus seinem Amte scheidenden ersten Oberlehrer der Realschule, Herm Nicolaus Proff, der, nach einem beinahe 40 jährigen segensreichen Wirken als Erzieher der Jugend und zwar einer 36jährigen Thätigkeit an hiesiger Anstalt, nunmehr bei abnehmender körper- licher Kraft und Rüstigkeit sich in den Ruhestand zurückzuzichen wünschte. Der Stadtrath erkannte die Gründe seines Ausscheidens nicht nur an, sondern bewilligte ihm auch in Anerkennung seiner Verdienste um die Anstalt eine über das Pflichtmäszige hinausgehende Pension. Ein Comité, be- stehend aus Collegen und verschiedenen Bürgern der Stadt, ehemaligen Schülern des verehrten Ju- bilars, hatte sich gebildet, um das Abschiedsfest in einer recht würdigen und sinnigen Weise zu
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