Gefahren moderner Jugendllektüre.
In der Vorzeit,*)— in China und Indien, in Griechenland und Rom, wie bei unſerem deutſchen Volke,— gab man der Jugend in ſparſam zugemeſſener Lektüre einen Antheil an dem Schönſten und Beſten des geiſtigen Eigenthums der Nation. Die aus den tiefſten Quellen der Volksbildung entſprungene, in langjähriger Ueberlieferung abgeklärte und dem Volksgeiſte ganz angeeignete Dichtung und praktiſche Weisheit war es, die entweder unmittelbar, wie Homer, Virgil, Aeſop, auch der Jugend zugänglich und heimiſch wurde, oder in bedachter Aus⸗ wahl und wohl auch in angemeſſener, neuer Faſſung, wie im Schi⸗King, Hitopadeſa und in„der Sele Troſt,“ zu eigent⸗ lichen Jugendſchriften ſich geſtaltete. Und dieſe ſelbſt waren werthvoll genug, um wieder, wie z. B.„der Sele Troſt,“ zum allgemeinen Volksbuch, oder, in noch weiterer Verbreitung, wie des Hitopadeſa's Faheln, zum Weltbuch zu werden. Faſt immer finden wir, daß die Blüthe der Literatur, oder wenig⸗ ſtens was der zeitweilige Geſchmack dafür hielt, dem Alter und der Jugend zu gemeinſamer Lektüre diente. Das Legendenbuch, die Chronik und in nachreformatoriſcher Zeit beſonders die Bibel waren Familienbuch, und noch bis über die Mitte des
*) In der Einladungsſchrift vom vorigen Jahr haben wir Nach⸗ weiſe über die Jugendlektüre der Vorzeit gegeben. 1*†


