Aufsatz 
Schranke und Freiheit in der Erziehung
Entstehung
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Tugenden, wenn auch jetzt noch wenig gepflegt, doch im ſpäteren Leben unter dem Einfluſſe der Umgebung ſich entwickeln werden, und daß überdieß der ſchlimmſte Fall nicht der iſt, wenn ein braver und tüchtiger Charakter mit einigen Beſonderheiten gegen die feine Sitte verſtößt.

Es iſt eine Thätigkeit der Kinderregierung noch beſon⸗ ders zu erwähnen, die leibliche Pflege. Gegen das Verzärteln der Kinder iſt ſchon genug geſprochen worden. Keine vernünftige Mutter wird den Knaben, der einſt als Mann in Sturm und Wetter ſtehen ſoll, nur im warmen Zimmer hüten wollen. Man ſucht den Knaben methodiſch abzuhärten. Dieß iſt ein Stück ſpartaniſcher Erziehung, das man in unſere modernen Zuſtände herein⸗ zieht; aber auch nur ein Stück. Denn die ſpartaniſche Abhärtung kräftigte nicht nur den Leib, ſondern ſtählte zugleich den Geiſt, ſie gewöhnte auch an Standhaftig⸗ keit im Schmerz, an Muth und Entſchloſſenheit in Gefahr. Sie war etwas mehr, als die moderne Art der Abhärtung des Leibes, bei welcher der Geiſt immerhin verweichlichen kann. Der Syartaner behandelte ſeinen Knaben nicht wie eine vorſichtig zu akklimatiſirende Pflanze; er wagte etwas mit ihm. Und gerade ein ſolches Wagen behagt dem kräftigen Knaben; er ſucht die Gefahr, weil ſein Inſtinkt ihn lehrt, daß nur in ihr der tüchtige Muth und die raſche Entſchloſſenheit ſich bilde. Wenn er mit luſtigem Muthe in Schnee und Sturm hinausjagt, im Wettlaufe auf dem Eiſe ſeine Rüſtigkeit erprobt und bis in die Nacht der ſcharfen Winterluft trotzt, oder wenn er in ſeiner Sommerfahrt ſich nicht irre machen läßt, auch wenn der Regen plötzlich in Strömen gießt, dann iſt es allex⸗ dings möglich, daß ein Schnupfen oder Fieber den Unvor⸗ ſichtigen ſtraft; wenn er mit ſeinen Kameraden kämpft