Aufsatz 
Schiller im Spiegel seiner Philosophischen Briefe / von Felix Kuberka
Entstehung
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Dichters gleichsam vorausverkündigend, in den geistigen Horizont des Kritizismus. Der Dichter ist sich der Subjektivität unseres Erkennens deutlich bewusst geworden, wenn er diese Subjektivität auch noch in rein physiologischer Weise begründet und ihm die Einsicht in die Tiefe des transzendentalen Idealismus abgeht. Daher geben uns die Philosophischen Briefe ein getreues Spiegelbild der allgemeinen geistigen Entwicklung Schillers. Denn der Weg, den Schiller geistig durchwanderte, ist kein anderer als der hier zurückgelegte: von dem idealen Naturalismus der Sturm- und Drangperiode schreitet der Dichter über den Historizis- mus des Don Karlos und seiner geschichtlichen Studien zu der Erfassung der kritischen Welt- ansicht fort. Der ursprüngliche Plan des Dichters, den allgemeinen Gang vom Dogmatis- mus über den Skeptizismus zu einer gereiften Weltanschauung dichterisch darzulegen, weicht somit den intellektuellen Motiven seines Lebens. Körner wie Schiller bedingten, wie unsere Untersuchungen zeigten, in gleicher Weise diese Wendung. Denn weder war Körner der Skeptiker, den die Raphaelsrolle der Philosophischen Briefe verlangte. noch war Schiller in der Ausbildung seiner Begriffe soweit gediehen, sich mit Körner bereits jetzt in einer fest- geschlossenen, kritischen Weltansicht zu vereinen. Gemessen an den Aufgaben der Philosophi- schen Briefe stand eigentlich Körner schon höher als diese, und blieb Schiller im eigentlichen Sinne des Wortes hinter dieser zurück. Und darum sind uns die Philosophischen Briefe auch heutzutage noch wertvoll, nicht durch dasjenige, was sie uns an metaphysischen Anschauungen und spekulativen Begriffen bieten, wohl aber durch dasjenige, was sie für die geistige Ent- wicklung Schillers bedeuten: als ein Markstein seiner philosophischen Ideengestaltung, als ein Abbild seines Denkens.

Literaturnachweis: Erster Druck der Philosophischen BriefeThalia Heft 3(1786) Seite 100 139, Heft 7 (1789) Seite 110 120. MinorSchiller II 619 beansprucht noch die beiden Briefe Raphaels für Körner. Dagegen nimmt den ersten Raphaelsbrief für Schiller in Anspruch Kuno FischerSchiller als Philosoph S. 73 ff. Das- selbe erweist auf streng philologischem Wege Edward Schröder, Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-historische Klasse 1904 Heft 2. Dasselbe bei Berger, Schiller I, 474. Gegen die Datierung der Theosophie von seiten Kuno Fischers besonders auch W alzel Cottasche Ausgabe XI, 314 ff. Ebenso Bellermanns Ausgabe XIII, 75.