Aufsatz 
Drei Schulreden. 1) Rede zur Feier des 50. Gedenktages der Schlacht bei Leipzig, gehalten am 17. Okt. 1863. 2) Rede, gehalten am 31. Okt. 1867 bei der 50jährigen Jubilarfeier der Gründung des Gymnasiums und dem Amtsjubiläum des Schreib- und Zeichenlehrers Storck. 3) Rede, gehalten am 22. März 1870 bei der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs / Heinrich Rieß
Entstehung
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preußiſchen Staate angehört haben, ſei es durch Geburt, ſei es durch Ueberſiedelung, indem ſie in Preußen den Boden für ihre Thätigkeit fanden. Leibnitz wurde in Berlin der Gründer der be⸗ rühmten Akademie der Wiſſenſchaften, und ſehen wir um nur einige als Beiſpiele zu nennen, zuerſt auf die Koryphäen der Philoſophie, der Wiſſenſchaft, welche die oberſte Aufgabe verfolgt und alle anderen Geiſtesbeſtrebungen durchdringen und regeln ſoll: das Haupt aller, Immanuel Kant, war in Preußen geboren und iſt während ſeines langen Lebens aus Königsberg, wo er lehrte, kaum herausgekommen; in Berlin wirkte Fichte durch ſeine Vorleſungen auf die ſtudierende Jugend, durch ſeine Reden an die deutſche Nation auf alle, die in jener ſchweren Zeit noch einen vaterländiſchen Sinn bewahrt hatten; in Berlin fand Hegel, fand Schelling eine Stätte, und ſo reihte ſich dort der Name eines großen Philoſophen an den andern. Ebenſo war es in andern Fächern: die Meiſter der Sprach⸗ forſchung, Fr. A. Wolf, der Gründer der Alterthumswiſſenſchaft, Bopp, der die vergleichende Sprachwiſſenſchaft, Grimm und Lachmann, die die deutſche Philologie geſchaffen haben, ſie alle hat Berlin die Seinigen genannt. Dort lebte und lehrte Savigny, der Regenerator der Rechts⸗ wiſſenſchaft, dort Schleiermacher, deſſen Name vor denen aller anderen Theologen mit der höchſten Ehrerbietung genannt wird, dort Karl Ritter, der durch geiſtvolle Verknüpfung der That⸗ ſachen aus der Erdbeſchreibung eine ganz neue Wiſſenſchaft gemacht hat, dort Alexander v. Hum⸗ boldt, deſſen Name, wäre er auch der einzige, den Preußen in der Naturforſchung aufzuweiſen hätte es zählt aber deren viele doch allein ſchon ihm darin die erſte Stelle anweiſen würde. Es iſt unmöglich, alle, die hier in Betracht kommen, namhaft zu machen; aber aus den angeführten läßt ſich erkennen, die größten Männer deutſcher Wiſſenſchaft hat Preußen in ſich verſammelt, es hat ih⸗ nen einen angemeſſenen Wirkungskreis bereitet und ihnen die Möglichkeit geſchaffen, ihr Licht leuchten zu laſſen, nicht für Berlin, nicht für Preußen allein, ſondern für ganz Deutſchland und, da die Wahrheit nicht Sonderbeſitz eines einzelnen Volkes iſt, für alle Völker der Erde, zu denen ihre Strah⸗ len dringen, und die ihr Auge nicht widerwillig dagegen verſchließen.

Das preußiſche Volk, dem auch wir uns jetzt zuzählen, wird, ſo vertrauen wir, auch ferner ein Beſchützer des Rechts, wo es noth thut auch mit dem Schwerte, ein Beſchirmer des Proteſtantismus und der im innerſten Weſen deſſelben begründeten religiöſen Duldung, ein treuer Hüter der Wahrheit und der aus ihr geborenen edlen Menſchenbildung ſein. Es iſt ein hoher Beruf, den es zu erfüllen hat; daß es ihn erfüllen wird, müſſen wir um ſo zuverſichtlicher hoffen, wenn wir der hohen Eigen⸗ ſchaften unſeres Königs gedenken. Gott der Allmächtige, der auch über die Mächtigſten dieſer Erde waltet, möge, ſo bitten wir, in ſeiner Huld mit unſerem Könige ſein; er möge ſein Auge hell, ſein Herz froh, ſeinen Arm ſtark erhalten und in einer langen Reihe von Jahren ihm das reinſte Glück, das einem väterlich geſinnten Könige werden kann, zu Theil werden laſſen, die Gewißheit, das Glück ſeines Landes erhöht und die Liebe ſeines Volkes erworben zu haben. Der Herr ſei mit ihm und kröne ſein Leben mit der reichſten Fülle ſeiner Gnaden!