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d. Bibliothek und Lehrapparat betreffend.— Zur Erhaltung und Vermehrung der Bibliothek durch Zeitſchrifften, Bücherwerke und Muſtikalien waren wieder 215 fl. bewilligt worden. Auch der Apparat wurde nach Bedürfniß vermehrt, und erhielt einen beſonderen Zuwachs durch die ſo⸗ genannte ruſſiſche Rechenmaſchine, welche bei dem Elementarunterrichte im Rechnen ein empfehlenswerthes Veranſchaulichungsmittel der Zahlen und Zahlenverhältniſſe gewährt.
e. Prüfungen betreffend.— Nach der öffentlichen Frühlingsprüfung am Seminar folgte zu⸗ nächſt die Aſpirantenprüfung am 13. Juni, auf welcher ſich 80 Aſpiranten einfanden, 34 evangeliſche und 46 katholiſche. Von dieſen wurden 49 angenommen, 28 evangeliſche und 21 katholiſche, welche im geſetzlichen Alter und nach einer vorſchriftmäßigen Fortbildung wieder auf einer Concursprüfung erſchei⸗ nen können.
Die Herbſtprüfung am Seminarium war den 17. September, und nach Verlauf der Ferien wurde das Winterſemeſter am 10. October begonnen.
Am 17. October wurde die Concursprüfung gehalten, zu welcher ſich 67 Individuen eingefunden hatten, 45 evangeliſche und 22 katholiſche. Hiervon wurde zur Aufnahme im Frühjahre 1845 beſtimmt 32 evangeliſche und 21 katholiſche.
Die diesjährige öffentliche Frühlingsprüfung am Schullehrerſeminarium wird, wie der Titel des Programmes asündigt. am 1. und 2. April und zwar vormittags von 8 und nachmittags von 3 Uhr an gehalten. Einen Tag früher, den 31. März werden die Abiturienten practiſch geprüft, jedoch nur im Beiſein des Herrn Regierungscomiſſarius und der Seminarlehrer
Das Sommerhalbjahr wird Donnerstags den 24. April, vormittags 9 Uhr, in allgemeiner Ver⸗ ſammlung eröffnet, wobei auch die Aufnahme der neuen Seminarklaſſe Statt findet.
Nachtrag.
Die Geſchichte unſerer Anſtalt muß leider mit der Todesnachricht unſers würdigen Conrectors Frickhöffer ge⸗ ſchloſſen werden. Seine bekannten Kran kheitsanfälle wiederholten ſich mit Anfang des Monats Februar ſo heftig, daß er denſelben unterlag und am 6. Februar verſchied..
Karl Chriſtian Frickhöffer, geboren am 5. Mai 1791 zu Mensfelden, im Amte Limburg, erhielt ſeine erſte Elementarbildung von dem daſigen Lehrer Hehner, der ihm auch die erſte Veranlaſſung zu ſeiner ſpätern Laufbahn gab.
Von 1807— 1809 beſuchte Frickhöffer das hieſige Seminarium und wirkte dann theils als öffentlicher, theils als Privatlehrer; bis er im Jahre 1812 zu ſeiner weitern Ausbildung das Peſtalozziſche Inſtitut zu Pverdun beſuchte. Im Jahre 1814 zurückgekehrt, wirkte er zunächſt an mehreren Orten als Privatlehrer und wohnte dann im Jahre 1816 dem von Herzoglicher Landesregierung angeordneten Denzelſchen Lehrcurſus bei. Nach deſſen Vollendung beſuchte er auf höhere Weiſung zu ſeiner practiſchen Ausbildung mit Conrector Diehl und Reallehrer Petri das Seminarium zu Eßlingen, und nochmals das Peſtalozziſche Inſtitut und die Anſtalten des Herrn von Fellenberg zu Hofwyl bei Bern.
Im April 1817 wurde er als ordentlicher Lehrer am hieſigen Seminarium angeſtellt, und hauptſächlich mit dem mathematiſchen und phyſikaliſchen Fache beauftragt. Im Januar 1825 wurde ihm der Charakter als Conrector beigelegt. Mit welchem Fleiße und Lehrertalent er in ſeinem Berufe wirkte, davon geben ſeine ehemaligen Schüler gewiß das ein⸗ ſtimmigſte Zeugniß, wie nicht weniger ſeine ſämmtlichen Mitlehrer. Darum war es auch ſo bedauerlich, als er im März 1841 durch einen bedeutenden Krankheitsanfall auf mehrere Monate in ſeiner Wirkſamkeit geſtört wurde, und als ſich das Uebel im Jahre 1843 wiederholte, ſo wurde er auf nech längere Zeit in unthätigkeit geſetzt, ſo daß er nicht mehr im Se⸗ minarium lehrte..
Welchen tadelloſen, rechtſchaffenen Wandel Frickhöffer führte, das bezeugen Alle, unter welchen und mit welchen er lebte, und ſeinen durchaus edlen Charakter kennen ſeine vielen nahen und fernen Freunde,/, 2
Was er als Gatte und Vater war, deſſen gedenkt nun in Liebe und Dankbarkeit eine tiefgebeugte Familie.


