Aufsatz 
Methodologisch-praktischer Leitfaden bei dem Unterrichte im kalligraphisch-orthographischen Schreiben, nebst stufenweise geordnetem Übungsstoffe zum Diktieren
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

wie findet ihr ſie? Fein; Mit ſchieſgeſtelltem Ende nach rechts unten, wie findet ihr dieſe? Grob; und

mit einem ſpitzen Ende nach links oben, wie findet ihr ſie? Fein.

Anmerkung. Auf dieſe Weiſe können die feinen und die ſchattirten geraden Linien gleichzeitig eingeübt werden. Der Lehrer ſehe darauf, daß die Schüler die Linien bei taktmäßiger Bewegung von Anfang bis Ende auch gleichmäßig ſchnell ausführen; daß ſie die Aufgaben richtig verſtehen und löſen und die Formen klar auffaſſen. Er wird von jeder einzelnen Linie mehrere in gleicher oder verſchiedener Höhe hinter einander fortlaufend in einem gleichmaͤßigen Takte ziehen laſſen und dann zu verſchiedenen Verbindungen derſelben übergehen. Ebenſo wird er ziehen laſſen meh⸗ rere gerade Linien von einem Punkte aus nach verſchiedenen Richtungen und umgekehrt; Parallellinien mit zwei und mehreren ſolcher Linien nach allen Richtungen und von verſchiedener Länge; Winkel in allen möglichen Lagen, wobei zuvor durch Punkte der Anfangs⸗ und Endpunkt feſtgeſtelt werden kann; dann die verſchiedenen Dreiecke, nach der Winkelbildung und endlich die verſchiedenen Vierecke, wobei der Schüler ſich deren Stellung vorher be⸗ zeichnen kann.

Das Noͤthige über jede Figur wird mit den Schülern jedesmal durchgeſprochen.

2. krumme Linien.

a. die Kreisliniel wie findet ihr ſie? Theils fein, theils grob.

b. Bogen, deren Endpunkte

aa. ſenkrecht liegen! wie findet ihr ſie? Bogen von oben nach unten durch rechts grobfein; durch links feingrob; von unten nach oben durch rechts grobfein; durch links feingrob.

bb. wagrecht liegen! wie findet ihr ſie? Bogen von links nach rechts durch unten grobfein; durch oben feingrob; von rechts nach links durch unten grobfein; durch oben feingrob.

cc. ſchief liegend! abſteigend! wie findet ihr ſie? Bogen von oben nach links fein; von oben nach rechts grob; von links nach unten grob; von rechts nach unten fein! auf⸗ ſteigend! wie ſindet ihr ſie? Bogen von unten nach links grobfein; von unten nach rechts grobfein; links nach oben feingrob; von rechts nach oben grobfein.

Anmerkung. Jede Bogenlage kann auf dreifache Weiſe ſchattirt werden, nämlich am Anfang, am Ende und in der itte.

Dieſe Verſtaͤrkung und Schwaͤchung des Druckes in einem Zuge muß bei krummen und gera⸗ den Linien recht geuͤbt werden, weil dadurch die Schrift außerordentlich an Schoͤnheit gewinnt, und die Hand zur Ausfuͤhrung jeder Form tuͤchtig gemacht wird. Es koͤnnen auch, um in die Uebung mehr Abwechſelung zu ziehen, mehrere Bogen in einander geſtellt werden, ſowie durch die Zuſammen⸗ ziehung zweier regelmäßiger Bogen Doppelbogen gebildet werden; oder durch die Vereinigung zweier einfacher Bogen in einem Punkt gemiſchte, erhabene und hohle Winkel; endlich auch noch durch zwei Bogen, von welchen der eine links und der andere rechts gekruͤmmt iſt, eine Elypſe, welche nach⸗ her, wie auch der Kreis, in einem Zuge in ſich ſelbſt zuruͤckkehrend geuͤbt werden.

II. Abſchnitt.

A. Behandlung des erſten Schreib- und Leſeunterrichts mit lateiniſcher Schrift.

Regeln des Verfahrens. Nachdem die Kinder die Vorbereitungen für den erſten Schreib⸗ und Leſeunterricht erhalten haben, beginnt das Schreiben. Zwei Parallellinien der zur lateiniſchen Schrift er⸗ forderlichen Weite werden zum Maßſtabe der Buchſtabenhöhe genommen und mit Kreide an die Schreibta⸗ fel gezogen. Dagegen erhalten die Schüler ihre Linienpaare mit einem eiſernen Stiſt auf die zwei Flä⸗ chen der Schiefertafel fein eingeritzt. Die zwei Buchſtaben und o werden als Grundfiguren oben ange⸗ ſetzt und dürfen auf der Schreibtafel nicht ausgelöſcht werden. Ebenſo müſſen auch alle übrigen Buchſtaben in der Ordnung, in welcher ſie entwickelt und angeſchrieben werden, zur immer währenden Anſchauung ſte⸗ hen bleiben, theils um dem Gedächtniſſe zu Hilfe zu kommen, theils auch, um durch die Anſchauung das Nachbilden zu erleichtern. Die Buchſtaben werden nach dem oben genommenen Maßſtab in vier Klaſſen getheilt, naͤmlich in diejenigen, welche innerhalb der Parallele vorkommen, in diejenigen, welche über die⸗ ſelbe hinausragen oder ſich herabziehen und in diejenigen, welche über und unter dieſelbe ſich ausdehnen. Für die Mittel⸗ und Langbuchſtaben werden keine Richtungslinien, zur Bezeichnung ihrer Höhe gezogen. Die Buchſtaben, welche Nichts als die reine Wiederholung des ſind, kommen zuerſt, der Uebungs⸗ ſtoff enthält die ſtufenweiſe Folge der Buchſtaben. Hier darf ein mechaniſcher Unterricht nicht im ge⸗ ringſten Platz greifen, ſondern der Schüler muß von Allem den augenſcheinlichen Grund erkennen. Der Grund von den Parallelen iſt, daß ſie die beiden Lippen im Sprechen vorſtellen; der von der Bildung eines jeden Buchſtabens, daß er die Stellung des Mundes oder eine beſondere Bewegung nachbildet;