Aufsatz 
Methodologisch-praktischer Leitfaden bei dem Unterrichte im kalligraphisch-orthographischen Schreiben, nebst stufenweise geordnetem Übungsstoffe zum Diktieren
Entstehung
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rigkeiten des Schreibunterrichts, d. h. an ihnen ſoll das Kind im Auffaſſen gewiſſer, einfacher Formen ſo geuͤbt, ſein Auge und ſeine Hand ſo befaͤhigt werden, daß es ſpaͤterhin die zuſammengeſetzten ſchwieri⸗ geren Formen(die Buchſtaben) auf der Stelle mit ſeinem Geiſte in allen ihren Theilen klar und deutlich aufzufaſſen und richtig nachzubilden im Stande iſt. Die Formen der erſten Schreibuͤbungen ſind aͤhnlich den Anfangsgruͤnden des Zeichnens, nur in weit beſchraͤnkterer Weiſe, und die Zeichnun⸗ gen bleiben ihrem Zwecke gemäß den Schriftzeichen nahe.

Jedes Kind hat zur Ausfuͤhrung dieſer Uebungen nöthig: 1. eine Schiefertafel; 2. einen Aus⸗ wiſcher, welcher an der Tafel durch einen Bindfaden feſtgemacht ſein muß; 3. einen zu Haus keilför⸗ mig zugeſpitzten Schieferſtift, der, wenn er die gehörige Weichheit haben ſoll, etwa einen Tag in Salzwaſſer gelegen haben muß; 4. einen Köcher(Buͤchſe) fuͤr den Schieferſtift.*)

Das Kind darf bei dieſen Voruͤbungen den rechten Arm nicht auflegen, die einzige Stuͤtze des⸗

ſelben ſoll hier der 4. und 5. Finger, welche ſammt dem Arm alle Bewegungen regelmaͤßig mit⸗ machen muͤſſen, ſein. Auch darf es die Ellenbogenſpitze nicht höher haben, als die Hand, welches die reie Bewegung ſehr erleichtert. f Ven Lan ſehne Erfolg wird es ſeyn, wenn das Kind die Ubungen auch an der Wandtafel durchmacht, damit es den Arm frei nach allen Seiten hin bewegen, und kuͤhn die Linien nach allen Richtungen ausfuͤhren lernt. Hierzu ſollte in jeder Schule, auch bei der geringſten Schuͤlerzahl, eine ganz lange von Lindenholz angeſertigte, ſchwarzgebeitzte Schreibtafel vorhanden ſein, welche, des beque⸗ men Gebrauches wegen, in angemeſſener Höhe an einer freien Wand befeſtiget und mittelſt Sprenkeln in die erforderliche, ſchraͤge Lage gebracht werden könnte.**) Imgleichen auch einige, große Tafel⸗ ſchwaͤmme und ein Kaͤſtchen mit Kreideſtuͤcken, welche, um die Haͤnde nicht zu beſchmutzen, an einem Ende mit Papier uͤberzogen ſein ſollen. Die Kreide muß locker, leicht abfärbend und ſchneeweiß ſein. Die kraeſche Provinz Champagne liefert ſie von beſonderer Euͤte und Brauchbarkeit zum Schreiben an der Holztafel.

Bei dieſer zweckdienlichen Einrichtung könnte der Lehrer auf einmal eine Abtheilung von 56 Schuͤlern an der Tafel bethaͤtigen.

Der Lehrer hat mit groͤßter Gewiſſenhaftigkeit und Strenge gegen alle Vergehen und Unord⸗ nungen zu wachen, welche die Geſundheit der Schüler untergraben koͤnnen; er hat daher die Schul⸗ ſtube von allen Uebelſtaͤnden zu befreien, welche beſonders den Augen nachtheilig ſind, und auf das Sitzen und das rechte Halten des Stiftes eine beſondere Aufmerkſamfeit zu verwenden. Der Schreib⸗ tiſch darf dem Kinde nicht zu hoch und nicht zu niedrig ſein; die Herzgrube muß in wagerechter Rich⸗ tung mit der Platte zu ſtehen kommen. Um dieſer Anforderung nachzukommen, wird oftmals der Fall eintreten, daß Kinder ihre Sitplätze verwechſeln muͤſſen.

Auch iſt es endlich noch von großer Wichtigkeit, das Kind, welches ſich gern zerſtreut und leicht träumt, die Uebungen im Takte machen zu laſſen, wodurch es gleichſam gezwungen wird, aufmerkſam und anhaltend thätig zu ſein. Das Anſetzen der Punkte erfolge gleichmaͤßig auf das Commando:l. 2. 3. 45 u. ſ. f. und das Zeichnen der Linien auf das gedehnt geſprochene Commando⸗Workt:Zie het!

Prakt. Verfahren: Achtung Schreibeſtellung den Griffel zwiſchen die Schreibefinger rechts an der Daumenſpitze unter dem Ballen des Zeigefingers links neben dem Nagel des Mittelfingers Ruhe!

Sehet, in welcher Richtung das Linien⸗Ende des Griffels geſtellt ſein koͤnne, ſenkrecht oder vagrecht oder ſchief? Stellet es ſchief nach rechts ab! Schreibeſtellung! Ziehet mit dieſem ſchieſgeſtellten

nde 1. gerade Linien!

a. ſenkrechtel wie findet ihr ſie? Grob. Eprechet:Eine ſenkrechte Linie mit ſchiefgeſtelltem Ende gezogen, muß grob werden.

b. wagrechte! wie findet ihr ſie? Grob. Sprechet:Eine wagrechte Linie, mit ſchiefgeſtelltem Ende gezogen; muß grob werden.. 1

c. ſchiefel nach links unten, wie findet ihr ſie? Grob. Mit einem ſpitzen Ende nach rechts oben,

3 er ſehe genau darauf, daß die Kinder wenigſtens jeden Samſtag ihre Schiefertafel reinigen, daß ſie di

3 Verbehres ſhtt und kurze Schieferſtifte nur in Stifthaltern ſteckend denanie igen, daß ſie die Aus⸗

.) Eine ſolche Schreibtafel dürſte aber niemals zur Wandtafel gemacht werden, und bei vielen Schreibſchülern wäre eine zweite, oftmals eine dritte nöthig.