Aufsatz 
Methodologisch-praktischer Leitfaden bei dem Unterrichte im kalligraphisch-orthographischen Schreiben, nebst stufenweise geordnetem Übungsstoffe zum Diktieren
Entstehung
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Metbodologiſch⸗praktiſcher Leitfaden bei d e m Unterrichte kalligraphiſch⸗orthographiſchen Schreiben,

nebſt

ſtufenweiſe geordnetem klebungsſtoffe zum Dihktiren.

Erſter Theil.

I. Verſuch einer kurzgefaſtten Geſchichte der Schreibekunſt.

De Nothwendigkeit zwang den Menſchen, neben dem Sprechen noch Zeichen und Figuren(das Schreiben) zu erfinden, um wichtige Begebenheiten und Gedanken aufzufaſſen und zu erhalten. Sprechen und Schreiben, zwei gleich wichtige Arten, unſere Gedanken zu äußern oder mitzutheilen, unterſcheiden ſich nur dadurch, daß bei erſterem hörbare und bei letzterem ſichtbare Zeichen und Figuren zur Erſcheinung kommen. In beiden Ausdrucksweiſen aber bleiben ſich die Formen ganz gleich; denn der Schreibende ſetzt in derſelben Weiſe ſichtbare Sprachzeichen(Buchſtaben) oder andere Zeichen auf Papier oder eine andere Maſſe, wie der Sprechende horbare(Laute) zuſammen.

Es bezieht ſich auf das Schreiben: das Schoͤnſchreiben oder die Kalligraphie, das Rechtſchreiben oder die Orthographie, das Geſchwindſchreiben oder die Tachygraphie und Stenographie, die Geheim⸗ ſchrift oder Steganographie, auch Kryptographie, und die Schreibmalerei.

Der große und vielfache Nutzen der Schreibekunſt iſt ſo allgemein bekannt, daß er einer beſonderen Auseinanderſetzung nicht bedarf. Wohl aber würde es hier eine nicht zu entſchuldigende Lücke verrathen, ihn ſo ganz mit Stillſchweigen zu uͤbergehen, und von dieſem Geſichtspunkte aus betrachtet, werden ſchon einige dahin bezügliche Angaben ausreichen, uns jeden Tadel fern zu halten. Die Schreibekunſt iſt ein vorzügliches Beförderungsmittel menſchlicher Cultur. Richten wir aber unfere Blicke auf's geſel⸗ lige Leben hin, ſo finden wir, daß ſich immer Veranlaſſungen ereignen, unſern Ideen eine bleibende Geſtalt für uns und Andere zu geben; d. h. ſie vor Veräͤnderung zu ſichern und über den Augenblick,