Aufsatz 
Kurze geschichtliche Darstellung der alten lateinischen Schule und des darauf gefolgten ehemaligen Pädagogs zu Dillenburg
Entstehung
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§. 1.

Veranlaſſung der erſten lateiniſchen Schule zu Dillenburg, ihr Stifter, Fonds dazu, Schwierigkeit zu deren Ausmittelung, Beſoldungen, damalige Wohlfeilheit.

Ae der Graf Wilhelm der Reiche 1) mit den Reformatoren Deutſchlands bekannt und von Melanchton zu Dillenburg beſucht, Vater von zwey vortreffli⸗ chen Söhnen, Wilhelm J. und Johann dem aͤltern, kurz nach dem Jahre 1530, die Lutheriſche Lehre in ſeiner Grafſchaft einfuͤhrte, fand er faſt alle Pfarrſtellen mit unwiſſenden und, zur Verbreitung gelaͤuterter religioͤſer Wahrheiten, un⸗ faͤhigen Geiſtlichen beſetzt. 2)

Eben ſo wenig war fuͤr gelehrte Bildungsanſtalten geſorgt. Mit Aus⸗ nahme der Schule an der Stiftskirche zu Diez, welches Laͤndchen damals noch von mehreren Grafen mit ihm gemeinſchaftlich beſeſſen wurde und der er des⸗ halb die noͤthige Reform einſeitig nicht geben konnte, war in der ganzen Graf⸗ ſchaft keine Schule fuͤr den gedachten Zweck vorhanden.

Dieſer Mangel erzeugte in ihm den Gedanken, in den Hauptorten ſei⸗ nes Landes gelehrte Schulen anzulegen. Die Ausfuͤhrung des erſten und die

1) Steubings Top. v. H. S. 163. 2) Hierüber ſehe man gef. nach: Erasmi laus stultitiae, S. 210 u. d. folg. Basileae 1676.