Aufsatz 
Über das Sieden des Wassers
Entstehung
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Es ist dies auch sehr leicht erklärlich, denn beim Erhitzen entstehen Strömungen in dem Wasser und jede Bewegung der Moleküle der Flüssigkeit ist dem Entstehen eines Siedeverzugs feindlich. Wird dagegen das Erhitzen eingestellt und der Druck auf die Flüssigkeit vermindert, so kann bei der fast völligen Unbeweglichkeit der flüssi- gen Theilchen viel eher ein Siedeverzug hervorgerufen werden. Um Versuche in die- ser Richtung anzustellen, kann man sich des von Dufour angegebenen Apparates be- dienen. Es besteht derselbe aus einer tubulirten Retorte, welche mit der zu unter- suchenden Flüssigkeit gefüllt wird und deren Tubulus durch einen Gummistopfen verschlossen ist, durch den ein Thermometer hindurchgeht. Der Hale der Retorte ist durch eine Röhre mit einem Blechgefäss von ca. 2 Litre Inhalt verbunden. Von dem Blechgefäss gehen noch zwei weitere Röhren aus, von denen die eine mit einem Ma- nometer(zum Messen des auf der Flüssigkeit lastenden Drucks) und die andere mit einer Luftpumpe in Verbindung gesetzt werden kann. Alle drei Röhren des Blech- gefässes sind mit je einem Hahn versehen. Ausserdem wird das Blechgeläss in einen grösseren Behälter mit kaltem Wasser gesetzt, um die Dämpfe zu verdichten.

Will man nun mit einer Flüssigkeit Versuche über Siedeverzüge bei verminder- tem Druck anstellen, so bringt man dieselbe in die Retorte, welche im Oelbad er- hitzt wird. Dabei ist vor der Hand die Verbindung mit der Luftpumpe unterbrochen, so dass die Flüssigkeit unter dem gewöhnlichen Luftdruck steht. Hat das Sieden einige Zeit angedauert, so lässt man bis zu einem beliebigen Grade erkalten, stellt die Verbindung mit der Luftpumpe her und pumpt aus. Man kann dann häufig den Druck bis weit unter den Punkt verringern, bei welchem die Flüssigkeit sieden müsste, ehe das Sieden beginnt.

Wir wollen nun zunächst das Verhalten des destillirten Wassers be- trachten.

Man bringt dasselbe in die mit Schwefelsäure ausgespülte und dann mit Wasser ausgewaschene Retorte, erhitzt bis zum Sieden, lässt einige Minuten erkalten, stellt die Verbindung mit der Luftpumpe her und pumpt aus, bis das Sieden eintritt. Der- selbe Prozess wird mehrmals wiederholt. Dabei ergeben sich folgende Resultate: Schon nach dem erstmaligen Sieden tritt gewöhnlich ein kleiner Siedeverzug ein, d. h. man kann den Druck einigermassen bis unter den Punkt verringern, bei welchem das Wasser eigentlich nach dem Dalton'schen Gesetz sieden müsste, ehe es zu sieden be- ginnt; je öfter aber das Wasser in's Sieden gebracht worden ist, um so sicherer treten immer grössere Siedeverzüge ein; der Siedeverzug beträgt manchmal bis zu 30⁰ Oft auch, namentlich wenn das Auspumpen nicht sehr ruhig geschieht, das Wasser also erschüttert wird, tritt das Sieden bei dem Punkte ein, der dem Dalton'schen Gesetz entspricht, so dass also kein Siedeverzug entsteht.

Wird das Wasser nicht bis zum Sieden erhitzt, so ist von einem Siedeverzug meist nicht die Rede. 1

Will man einen blossen Schulversuch anstellen, so kann man folgendermassen verfahren: Man fülle in eine tubulirte Retorte, durch deren Tubulus ein Gummistopfen