Aufsatz 
Euricius Cordus. Eine biographische Skizze aus der Reformationszeit
Entstehung
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Wir wollen dieſe Lebensſtizze mit den Worten eines Berichter⸗ ſtatters über die Bremer Schule ſchließen. Sie lauten:Wie denn der Beſtand aller Dinge hinfällig und trügeriſch iſt, weder Euricius konnte ſich des erſehnten Aſyls, noch die Stadt eines ſo vortrefflichen Mannes lange freuen, da er, nachdem er der berühmten Schule durch heilſamen Rath und auf jede mögliche Weiſe genützt hatte, ſchon nach einem Jahre ſtarb, ein Mann, der ein beßeres Los und ein längeres Leben verdient hätte. Er wurde, betrauert von der ganzen Stadt, zu Grabe getragen und auf dem Todtenacker zur hl. Jungfrau beſtattet, wo man auf einem kleinen Grabſteine noch jetzt die Worte lieſt:

Euricius Cordus, ein ausgezeichneter Dichter und Doc⸗ tor der Medizin, deſſen Vaterland Heſſen war, hat hier den Leib zurückgelaßen, aber ſein Geiſt wohnt über den Sternen.

¹) Oratio de scholae Bremensis natalitiis, progressu et incremento v. Gerh. Meyer. Brem. 1684. p. 25. Die Worte absoluto vix trien- nio ſind irrig; daher Tournefort, institutiones rei herbariae I, p. 26 das Todesjahr 1538 annimmt. Die Grabſchrift lautet lateiniſch:

Euricius Cordus poeta insignis doctor medicinae, cui patria erat Hassia, reliquit hic corpus, sed astra mens tenet. Der Stein ſcheint jetzt nicht mehr vorhanden zu ſein.

Ein Brief des Joh. Lonicerus meldet dem Eoban im J. 1535 den Tod des Cordus in folgenden Worten: Dolendum est non immerito, Cordum fato suo perfunctum, tot orbis post se relictis. Sed et viduam et pignora ejus alet coelestis ille pater, qui nos omnes fovet atque conservat, nec suorum quemquam in afflictione deserit.(epp. Eob. p. 273). Eine Anzahl älterer Gelehrten haben auf feinen Tod Epicedien gedichtet, ſo Joh. Stigelius, Petr. Nigidius, Reinhard Hadamar u. a. Man findet ſie abgedruckt bei Kahler.