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Die Schule zu Frankenberg erfreute ſich damals unter der Lei⸗ tung eines tüchtigen Schulmannes und Gelehrten Jacob Hor⸗ läus Horle) eines beſonderen Anſehns.„Hier ließen ſich,“ rühmt Cordus,„zuerſt in Heſſen die flüchtigen Muſen nieder und zo⸗ gen den ſonnigen Gosberg ihren bisher bewohnten Höhen vor; denn der gelehrte Horläus hat ſie mit keuſcher Liebe hierhergezogen und ihnen eine anſprechendere, gefälligere Heimat gegeben.“¹
der Beſchreibung Henkels genau daſſelbe, aus welchem er ſeine wunder⸗ lichen Nachrichten geſchöpft hat. Es iſt in deutſcher Sprache geſchrie⸗ ben, mit einzelnen eingeſtreuten, ſchwer leſerlichen Notizen in lateiniſcher Sprache. Aus letztern hat Henkel alles Mögliche herausgeleſen, ſo die Geſchichte von einer Edelſchule, von einer Aufnahme dreier Bauernkinder, von einer Aufnahme des Cordus, ja ſogar des Eoban, von einer Preis⸗ krönung des Cordus im J. 1500 wegen eines lateiniſchen Lobgeſanges auf die Maria.(Dieſes angebliche Preisgedicht hat Henkel ſogar in den Werken des Cordus gefunden, nemlich in der 7 Celoge, einem Pfingſtliede, das im J. 1513 gedichtet iſt.) Von dieſen Dingen findet ſich an den betreffenden Stellen, die Henkel bis auf den einzelnen Buchſtaben falſch geleſen hat, nicht das Mindeſte. Der Raum verbietet es, hier die unglaublichen Misverſtändniſſe und die aus ihnen gezogenen Folgerungen näher zu be⸗ leuchten. Wie Henkel zu der„Schwanenſchule“ gekommen iſt, ſieht man leicht: in der Kirche zu Wetter iſt an manchen Stellen der Decke noch das Bild eines Schwanes zu erkennen, Cordus nennt die Dichter in be⸗ kannter Allegorie Schwäne, die ſchlechten Dichter Gänſe(vgl. ecl. 4: num- quid et is dulces inter strepit anser olores ²), Eoban hatte den Schwan zum Wappen gewählt. Die reformatoriſchen Anſichten des Cordus haben Henkel ſogar zu der Annahme verleitet, die„Schule zu Wetter“ ſei ſchon vor der Reformation der Sitz einer„geheimen evangeliſchen Auf⸗ klärung,“ ein„geheimer Marienmuſentempel“ geweſen! Die meiſten dieſer Fabeln finden ſich wieder in einem Aufſatze von Juſti, in„die Vorzeit, Ta⸗ ſchenb. f. d. J. 1827,“ S. 274— 295; Döpping, die Kirche zu Wetter, Mrb. 1860; Seibert, d. Schule z. W., in Langbein, Pädagog. Archiv 1861, S. 21— 46.
¹) Epigr. ad stud. juvent. I. l. Ecl. 4, p. 23. Camerar. vita Eob. p. 10(ed. Kreysig): eruditione literarum tum celebris Jacobus Horlaeus.


