Aufsatz 
Kanon zum Erlernen der Geschichtszahlen / von Hermann Deskau
Entstehung
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Nachruf

auf den verstorbenen Direktor Herrn Gustav Wiegand.

Der schöne und pietätvolle Gebrauch, den verstorbenen Amtsgenossen in den Jahresberichten der Anstalt einen Nachruf zu widmen, gewinnt noch höhere Be- deutung, wenn es sich darum handelt, eines Dahingeschiedenen zu gedenken, der als Leiter dieser Anstalt auf einem besonders verantwortungsvollen Posten stand, eines Dirigenten, unter dessen Amtsführung sich in der Entwicklung der Schule die be- deutsamsten und glücklichsten Wandlungen vollzogen haben. So erfüllen denn auch wir eine schuldige Ehrenpflicht, wenn wir das berufliche Wirken des langjährigen Direktors unserer Schule an dieser Stelle zum Gegenstand einer gerechten Würdigung zu machen suchen. Vorerst sei es aber gestattet, in kurzen Zügen ein Bild seines Lebens- und Bildungsganges zu geben.

Gustav Wiegand, der Sohn eines Lehrers, war geboren den 3. Februar 1839 zu Vielbach im Unterwesterwaldkreise. Auf dem Seminar zu Usingen(18551858) zum Lehrerberufe vorbereitet, begann er seine Laufbahn in demselben an der Rektorats- schule zu Wald bei Solingen. 1859 kehrte er wieder in sein engeres Vaterland zurück und wirkte hier bis zum 1. April 1861 in Ramschied, einem Dörfchen bei Langen- schwalbach, und dann an den Mittelschulen in Wiesbaden. Hier reifte in ihm der Entschluss, sich durch mehrjährigen Aufenthalt im Auslande für das Lehrfach der neueren Sprachen vorzubereiten. Im Jahre 1865 trat er einen vierjährigen Urlaub an, begab sich nach der französischen Schweiz, dann nach Paris und zuletzt nach England. Nach seiner Rückkehr wurde er an der neugegründeten Realschule zu Grenzhausen angestellt und mit dem 1. April 1872 an die damalige höhere Bürger- schule, jetzige Realschule, zu Wiesbaden berufen, deren Kollegium er bis zum 1. Sep- tember 1875 angehörte. Am 2. und 3. März 1871 hatte er in Marburg sein Examen pro facultate docendi abgelegt.

Mit dem 7. September trat er seine Stellung in Bockenheim an. Seine nächste Aufgabe war die Leitung und Ausgestaltung der damals hier bestehenden höheren Bürgerschule. In welchem Sinne und mit welchen Hoffnungen und Befürch- tungen er an diese Aufgabe herantrat, davon zeugen die in seiner Antrittsrede am 7. September 1875 gesprochenen Worte:

Mit dem heutigen Tage übernehme ich die Leitung einer Schule, welche schon seit einer Reihe von Jahren besteht, immer schon einem höheren Ziele als dem der Volksschule gesteckten entgegengearbeitet hat, der es aber unter der Ungunst der Verhältnisse bis jetzt noch nicht gelungen ist, in die Zahl