Aufsatz 
Erläuterungen über den Gedankenplan des pericleischen Epitaphios, gegeben durch Erklärung betreffender Stellen
Entstehung
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Herz dieser Leidtragenden hätte machen müssen. Wie hier der gemeinte weibliche Vorzug zu eng gefasst wird, so wird er zu wweit gefasst in der Paraphrase von Kämpf:Strebet nach Nichts weiter als danach, Euch der Euch angebornen weiblichen Natur nicht unwürdig zu zeigen, die Euch am besten lehren wird, was Ihr zu thun habt. Denn die hierin ausgesprochene Anerkennung der Wärde der weiblichen Natur an sich ist zu modern und geht namentlich über den Maassstab des griechischen Alterthums hinaus. Die wahrscheinlichste Deutung läge somit zwischen der letzten und vorletzten; sie hätte nicht absolut auf die Würde des Weibes als solchen, wie die letzte, sondern, wie die vor- letzte, auf einen einzelnen Vorzug der weiblichen Natur, jedoch einen umfassenderen, tieferen und trost- reicheren abzuzielen. 3) Welcher wäre das? Ich meine, die das Weib vor dem Manne auszeichnende Leichtigkeit, mit der es Leiden aller Art, selbst wenn sie Anfangs lebhafter als vom Manne empfun- den wurden, erträgt und allem Unabänderlichen zuletzt fügsamer stille hält. Diese Leidensstärke des Weibes, diese Virtuosität im Dulden zu beobachten, bietet bei ihrem Zusammenhange mit der natürlichen Bestimmung des Weibes schon jedes vollständige Frauenleben ohne Unterschied des Zeit- alters Gelegenheit genug dar; dem Alterthume aber konnte sich eine solche Beobachtung um so weniger entziehen bei der duldenden Stellung, die dem Weibe in staatlicher und socialer Beziehung im Alterthum angewiesen war. Darnach meint der Redner Folgendes mit seiner Ermahnung: Bleibt mit der Art, wie Ihr Euren Verlust und Eure Verlassenheit(Sv%εe) ertragt, nicht zurück hinter dem Maasse und Werthe([ε) der von Natur Euch zu Gebot stehenden Kraft im Dulden(bαο Toëα σσεσνς), deren Ausũübung als eine ächt weibliche Tugend(Tbvatxeia derh) für Euch Frauen (5iνν) denn auch ein grosser Ruhm(uer⁴ee** 6a) ist. Eine bei aller darin liegenden Anerkennung doch auch durchaus antike Mahnung, da sie mit der im Alterthum herrschenden Cardinalforderung an das Weib: sich zu fügen, durchaus harmonirt. Bestätigt wird diese Erklärung durch den nun ganz innigen Zusammenhang mit dem zweiten Gliede, wie ihn die enge Verknüpfung xal und die ge- meinsame Subsumtion unter den Einen Ankündigungsbegriff(ruvatxeta dεr) erfordert. Von dem dargelegten Gedanken des ersten Gliedes ist zu dem im folgenden enthaltenen zweiten Stücke des Frauenruhms(yc&Adzᷣo Sy Toic Aοαεσ να‿) nur Ein Schritt, der Schritt von der Ursache zur Wirkung; denn gerade durch ächt weibliches Dulden, das wesentlich ein stilles Dulden ist, bleiben sie am Ehesten jedem öffentlichen Leumunde fern.

Cap. 46. Elpyrat zad ε‿οον dντνρ᷑ ara rov voνον zal Ʒοꝓρν. Der Epilog entspricht gleich- sam antistrophisch dem Prooemium und nimmt dessen Hauptgegenstände: die Berufung auf das die Rede vorschreibende Gesetz, und den Gegensatz von redender und thätlicher Anerkennung wieder auf. Mit Hervorhebung des politischen Werthes der letzteren führt er den Schluss der Rede herbei.*)

*) Was Döderlein für die Erläuterung der Rede gethan hat, das habe ich hier leider weder auf buchhändlerischem noch auf anderem Wege mir verschaffen können.

Dr. HI. Krahner.