1 33 ff.: Du, Cyllenier, bist uns Gründer so heiliger Weihen,. Du hast kennen gelehrt der Gestirnwelt tiefstes Geheimnis, Daß großartiger sich uns zeigte das All und dem Glanze Außerer Pracht sich gesellte die Kenntnis wirkender Kräfte, Daß, wo Gott sich am herrlichsten zeigt, ihn fühlten die Völker! Und die Natur gab Mut und erschloß sich den sterblichen Blicken. Anfangs drang ihr Licht huldvoll in die Seelen der Fürsten, Welche mit himmlischer Macht auf Erden regieren und walten, Welche der Menschen Geschlechter entwilderten, fern in dem Osten, Dort, wo der Euphrat strömt und der Nil durchwoget die Fluren, Wo rückkehret die Sonn' und dunkle Völker bestrahlet. An sie reih'ten die Priester sich an, die Gebete und Opfer Immer zum Wohle des Volks darbringend im Tempel, des Gottes Gunst sich gewannen, die Pflicht fromm übend; die Nähe des Gottes Füllte mit Glut ihr reines Gemüt, in die Tiefen der Gottheit Führte der Gott und zeigte sich klar vor den Blicken des Dieners. Ihnen gelang's auf sicherer Bahn fortschreitend zu sehen, Wie das Geschick abhängt von dem Lauf umrollender Sterne; Denn, umfassend in stetem Bemüh'n Jahrhunderte, wiesen Jedem Momente sie an das Ereignis, das er hervorbringt, Merkten den Tag der Geburt und die wechselnden Fälle des Lebens, Wie auf Glück und Unglück wirkt die bewegliche Stunde, Und wie den mächtigsten Umschwung zeugt die geringste Verändrung. Als sie den Himmel geteilt, rückkehrende Sterne beachtend, Fest in bestimmte Bezirke, genau dann jeglichen Sternes Einfluß hatten bestimmt, entsprechend dem Gang der Geschicke, Ward nach langer Erfahrung erzeugt kunstmäßige Lehre, Der das Erlebte die Richtung gab; nach tiefer Erforschung Fanden sie, daß mit geheimem Gesetz obwalten die Sterne, Daß sich alles am Himmel bewegt in geregeltem Wechsel, Und daß nach dem Gestirn sich richten die Wege des Schicksals. 179 ff.:
Als Sinn und Verstand sich schärften im Laufe der Zeiten, Zwingende Not Talente verlieh, und der Drang des Geschickes Jedem zu wachen gebot für die Wohlfahrt eigenen Lebens, Wendete sich wetteifernd der Trieb zu verschiedenem Wirken;
Was nach manchem Versuch auffand die gereifte Erfahrung, Brachten sie freudig herbei und gaben es hin zum Gemeingut. Regel empfing und Gesetz die roh noch klingende Sprache,
Urbar wurde der Boden gemacht und lohnte mit Früchten;
Weit in die dunkele See drang vor kühn wagend der Schiffer, Bahnen erschaffend zum Handelsverkehr den getrennten Gebieten. Kriegskunst bildet sich aus und die Fülle der friedlichen Künste; Denn triebkräftigen Keim zum Neuen enthält das Erworb'ne.
Um das Gewöhnliche nicht zu erwähnen, sie lernten der Vögel Sprache, der Leber Bedeutsamkeit und der Schlangen Bezähmung, Schatten heraufzubeschwören, des Acherons Grund zu erschüttern, Tag zu verwandeln in Nacht und die Nacht in das strahlende Taglicht. Alles bezwang, sich versuchend, die fortschrittfähige Tatkraft,
Die nicht rastete, bis zu dem Himmel der Geist sich emporschwang, Und die Natur im geheimsten Verschluß sorgfältig belauschte,
Sie zu erfassen, und bis er geschaut, was lebet und webet.


