Aufsatz 
a) Einige Usancen im internationalen Handel mit Ölsaaten. b) Über die Abstimmung der Konti-Korrenti / Friedrich Karl Leitner
Entstehung
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Reval: Zumeiſt wird nur Leinſaat gehandelt, jedenfalls kommt nur dieſe Saat zum Export und zwar hauptſächlich nach England, Holland, Belgien, weniger nach Deutſchland.

Die Preiſe werden nach England in shilling und pence pro Quarter à 424& notiert, nach Holland in holl. fl. pro 2040 kg, nach Deuſchland per 1000 kg.

Die Preisſtellung iſt entwedercost, insurance and freight(cif) oderdelivered; im letzteren Falle hat der Verkäufer außer Verladungskoſten, Aſſekuranz und Fracht noch die Speſen für die Entlöſchung, Analyſe ꝛc. zu tragen.

Auch in Reval gibt der Verkäufer den ungefähren Olgehalt in% an, welch' letzterer bei der Entlöſchung durch Analyſe genau fixiert wird. Die gewöhnliche Marge iſt, ähnlich wie in Riga, 3%, ſo zwar, daß der Käufer, wenn 95% Baſis geſchloſſen wurde, nur bis 98% zu vergüten hat; der Verkäufer darf nicht unter 92% liefern.

Bei der Analyſe wird eine Beimiſchung von anderen ölhaltigen Saaten als Leinſaat für die Hälfte des Wertes von reiner Leinſaat gerechnet, z. B. 2% andere Olſaaten= 1% reine Leinſaat.

Manchmal wird Leinſaat einfach nach Probe gehandelt, d. h. der Verkäufer ſendet dem Käufer vor Abſchluß des Kaufes Muſter ein und hat dann nach Perfektionierung des Geſchäftesmuſter⸗ getreu zu liefern.

Libau) handelt Olſaaten, zumeiſt Leinſaat und Hanfſamen, zu denſelben Bedingungen wie Riga.

St. Petersburg') iſt eine der erſten Exportplätze für ruſſiſche Saaten, obwohl ihm Libau und Riga in den letzten Jahren den Rang ſtreitig machen.

Die Saaten werden beim Einkaufe pro Tſchetwert à 9 Pud entweder nach Probe oder mit Garantie des Reingehaltes gehandelt; Säeſamen auf Baſis von 98% in Säcken à 5 Pud.

Für die Preisſtellung beim Export gilt das bei Riga Geſagte.

Odeſſa iſt ein wichtiger Ausfuhrhafen für Raps, in zweiter Linie für Leinſamen; es exportiert zumeiſt nach Frankreich, den Niederlanden, in kleineren Mengen nach England und Belgien.

Der Marktpreis verſteht ſich per Pud in Kopeken, Leinſaat mit 5%, Sureya,(d. i. der auf den Weizenfeldern nachwachſende Raps) mit 15% Beſatz. Die Preiſe werden von einer amtlich beſtätigten Perſon, die den TitelHofmakler führt, periodiſch notiert und in deſſenHandels⸗Bulletin veröffentlicht.

Für den Export kommen ausſchließlich die Kontrakte der Oil Seed Association in London vom Jahre 1875**) mit einigen ÄAnderungen in Verwendung, und werden die Preiſe cit Beſtimmungshafen in Franecs für 100 kg nach Frankreich und Belgien, in holl. Gulden für 1 Laſt à 2040 kg nach Holland und in shilling und pence für 1 Quarter à 424 engl. nach England notiert. Man rechnet uſancemäßig bei Leinſaat 66 Pud= 2040 engl.= 1015 kg, ſonſt 62 ½ Pud.

Warſchau handelt Raps pro Scheffel à 210 Pud; für den Export kommt dieſer Platz nicht in Betracht.

Nikolajew. In dieſem Diſtrikte wurde der Getreidebau der niedrigen Preiſe halber ein⸗ geſchränkt und das hiedurch verfügbar gewordene Land zum Anbau von Slſaaten verwendet, welche einen 3 4fachen Ertrag der gewöhnlichen Getreideſorten liefern.

Auch hier haben die Kontrakte der Oil Seed Association Geltung.

Rumänien.

Rumänien baut alle Arten von Olſaaten u. z.: Kohlreps in der Moldau; Rübſen in den Diſtrikten Ilfor, Jalomitza, kleine Walachei; Leinſaat in der Dobrudja, Jalomitza und in der Bukareſter Gegend; Hanfſaat in der Moldau.***)

*) Vergleiche Hull, pag. 27 ff. **) Siehe London, pag. 25. ***) Einer Angabe des ſtatiſtiſchen Bureaus des Domänen⸗Miniſteriums zufolge war 1896 mit Raps allein eine

Fläche von 99,300 ha bebaut, die beiläufig 1,180,650 hl(= 12,57 hl pro ha) Erträgnis lieferten. 2