ſich ſeit einer Reihe von Jahren die Elternabende erprobt, d. h. Veranſtaltungen ſeitens der Schule, zu denen die Eltern der Kinder eingeladen werden, und wo ſie durch Vorträge von Fachleuten, Ärzten und Lehrern über wichtige erzieheriſche Fragen Belehrung und in einer ſich anſchließenden Ausſprache weitere Aufklärung erhalten. Dieſe Elternabende haben aller⸗ orts, wo ſie bis jetzt eingerichtet wurden, viel Gutes geſtiftet und ſich in vollem Maße die berechtigte Anerkennung und den Dank der Eltern erworben.
Sie ſind vor allem wertvoll für das Elternhaus, wird es doch durch derartige Veranſtaltungen faſt un⸗ vermerkt dem Lehrkörper und der Schule näher gebracht.R Manche Eltern lernen— nach eigenen Bekenntniſſen— in den hier ſtattfindenden Beratungen erſt die Forderungen einer zeitgemäßen, zielbewußten, Leib und Geiſt der Kinder gleich ſtark berückſichtigenden Familien⸗ und Schulerziehung richtig verſtehen und werten.“ Auch für den Lehrkörper ſind wohl⸗ durchgeführte Elternabende von großem Nutzen. Bietet ſich demſelben doch dort eine recht geeignete Gelegenheit, bei den anweſenden Eltern das wünſchenswerte Verſtändnis für das Wirken der Schule anzubahnen und zu fördern.s Der größte Vorteil der Elternabende kommt natürlich den Kindern zugute. Berninger, ein warmer Befürworter dieſer Einrichtung, ſtellt neben ihrer pädagogiſchen Bedeutung insbeſondere auch ihren ſozialen Wert ins richtige Licht: Jedem Vater und jeder Mutter, einerlei welcher Konfeſſion, Parteirichtung und Be⸗ rufsart ſie angehören, iſt es geſtattet und möglich, ſich an den Verhandlungen zu beteiligen. Jeder Teilnehmende vergißt dabei— wenn auch nur für kurze Zeit— der ſich ſonſt im Alltagsleben ſo oft bemerkbar machenden Scheidewände; hier wird gemeinſam beraten; hier lernen alle ein Gebiet kennen, auf dem ſich für die ſämtlichen Teilnehmer— und wären ſie ſonſt auch noch ſo verſchiedener Anſicht— eine gegenſeitige, alle befriedigende Verſtändigung erzielen läßt. Wahrlich, ge⸗ rade dies ſollte namentlich in unſeren Tagen nicht überſehen und nicht ſo leicht unterſchätzt werden.“
1 Berninger, Dur und Moll. München 1911, S. 80. 2 Ebenda, S. 80.— ³ Vgl. ebenda, S. 81.—*⁴ Ebenda, S. 83.
Roller, Schulkind und Elternhaus. 2


