Aufsatz 
Schulkind und Elternhaus
Entstehung
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Denken und Fühlen bei verminderter Ausbildung der Willensenergie ſind die unausbleiblichen Folgen einer ſolchen Erziehung.o Und kann die Jugend von heute, ſo fragt Neter, als glücklicher gegen früher bezeichnet werdend Bei den Kindern muß die Frage entſchieden verneint werden. Viele Vergnügungen ertöten jede Freude, machen begehrlich und unzufrieden, kürzen den Seitraum der naiv ſich freuenden Kind⸗ heit ab und ſchaffen, im Verein mit einer forcierten und be ſchleunigten pfychiſchen Entwicklung, die GHrundlagen zu den verſchiedenſten geiſtigen und ſeeliſchen Zuſtänden, die wir unter den Begriff Überreiztheit, Überſättigung, Nervoſität zuſammen⸗ faſſen. Recht treffend iſt auch ein Ausſpruch Paulſens, den Neter anführt, und den wir hier gerne einfügen:Die Jugend von heute, das Produkt der zärtlichen, weichen, nach giebigen Erziehung, fühlt ſich unglücklich, gedrückt, un verſtanden, mißhandelt, während die ſtrengere Behand⸗ lung(in früherer Zeit) mit Gelaſſenheit, ja Beiterkeit hin genommen wurde. Man kam ſich(früher) keineswegs be⸗ mitleidenswert vor, während die jetzige Jugend voll Unzu friedenheit mit der Welt iſt, obwohl ſie von allen Seiten um⸗ ſchmeichelt und durch Mitgefühl mit ihrem Leiden fetiert wird. Überall begegnet man der Poſe des großen Einſamen, der unverſtanden und ungewürdigt durch die Welt gehen muß, deſſen Freuden und deſſen Schmerzen dem Durchſchnitts⸗ menſchen und Erzieher und Lehrer ſind immer Durchſchnitts⸗ menſchen ewig unverſtändlich bleiben.²

Abgeſehen von den vorhin erwähnten Fällent gruppiert Gerhardt die jugendlichen Selbſtmörder zunächſt in ſolche, die das Opfer des ſittlichen Verfalles der Familie wurden oder in einer Atmoſphäre heranwuchſen, die den Wert des Lebens in ſtändigen Genuß ſetzt und ſittliche Urteilskraft, Ge⸗ wiſſensernſt und Gottesfurcht als nichtige Dinge anſieht.ut Eine andere Gruppe betrifft diejenigen Selbſtmörder, die ein Opfer der Lektüre wurden, einesteils der Schundliteratur und andrerſeits der Lektüre von an ſich bedeutenden und be⸗

lo Neter, S. 13. 1¹1 Ebenda, S. 13.

12 Paulſen, Moderne Erziehung und geſchlechtliche Sitt⸗ lichkeit, Berlin, Reuther& Reichert, 1008, zitiert nach Neter, S. 14.

¹ Pgl. dieſe Arbeit, S. 80, Anm. 5. ¹ Gerhardt, S. 12.