Aufsatz 
Über den Rhetor Seneca und die römische Rhetorik seiner Zeit / vom ... Koerber
Entstehung
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eigentliche Schulunterricht für ihn abgeschlossen. Wenn er sich auch ferner mit der Rhetorik befasste, so that er dies nicht mehr als Schüler im engeren Sinne des Wortes, sondern als Zunftgenosse.

Die Praxis der letzteren war eine ziemlich verschiędene. Von zwei Rhetoren, dem Römer Latro und dem Griechen Niketes, wird berichtet ¹³⁹), dass sie eine rein akroamatische Methode angewendet haben. Während diese freie Vorträge hielten, zogen Andere Vorlesungen(recitationes) vor, die den unter den Dichtern üblichen verwandt sein mochten ¹4⁰). Diese Vorlesungen unterschieden sich von den ersterwähnten Vor- trägen auch dadurch, dass sich mündliche Erörterungen 2wi- schen Lehrer und Zuhörern an sie anschlossen).

Die Declamatoren liessen in ihren Auditorien entweder das grössere Publikum oder nur einen beschränkten Kreis von Hörern zu; jenes nannte man populo declamare, auch wol dicere ¹4²), multitudinem admittere 14³), dies waren die se- cretae exercitationes ¹¹⁴). Die Sitte, vor der Menge Vorträge zu halten, kam erst unter Augustus auf; noch von Titus La- bienus wird ausdrücklich bemerkt, dass er dies unterlassen

13°) C. 25, 23: Neque enim illi[Latroni] mos erat quemquam audire declamantem, declamabat ipse tantum et aiebat se non esse magistrum sed exemplum; nec ulli ali contigisse scio, quam apud Graecos Niceti, apud Romanos Latroni, ut discipuli non audiri deside- rarent, sed contenti essent audire. Bald wurde das Wort auditor, anfangs ein Schimpfname, gleichbedeutend mit discipulus gebraucht.

¹14⁰) Suet. 89: Recitantes et benigne et patienter[Augustus] audiit, nec tantum carmina et historias, sed et orationes et dialogos.

141) Dies zeigt die(Note 139) angeführte Stelle, in welcher aus- drücklich bemerkt wird, dass nur bei Latro und Niketes dieé Schüler sich mit dem Zuhören begnügten. Der Ausdruck recitationes steht dabei nicht im Wege. Denn er wird auch von den literarischen Ge- nossenschaften der Dichter gebraucht, in denen die Vorlesungen nur den Stoff boten, an dem sich die ästhetische Kritik versuchte. Vgl. Bernhardy S. 70.

14²) Pr. C. X, 4. VII, 1. 143) Pr. C. V;, 2. 144) Pr. C. VII, 1..