Aufsatz 
Über den Rhetor Seneca und die römische Rhetorik seiner Zeit / vom ... Koerber
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

bringen lassen, mag hier eine erwähnt werden. S. 2, 12 f. erzählt er, bei der Verhandlung über ein ähnliches Thema habe ein Rhetor, nachdem er Soldaten am Tage vor der Schlacht schmausend vorgeführt, die Verse gesprochen:

stratique per herbam, Hic meus est, dixere, dies.

Ein Grammatiker habe Anstoss an dem Singular meus ge- nommen, weil nicht Einer sprach, sondern mehrere. Nun sucht Seneca mit einigen Seitenhieben auf den pedantischen Gram- matiker zu zeigen, dass meus nicht nur richtig, sondern viel besser als noster sei.

Dass Seneca die Gelegenheit, das rhetorische Gebiet für einige Augenblicke zu verlassen, nicht eben ungern ergriff, bekennt er selbst. Nachdem er das verschiedene Benehmen der Rhetoren Potamon und Lesbokles bei dem Tode ihrer Söhne geschildert hat, fügt er die Worte hinzu: Wie sehr ihre gei- stige Verschiedenheit bei einem gleichen Schicksalsschlage her- vortrat, glaubte ich euch weit mehr deshalb angeben zu müssen, weil es sich auf ihr Leben bezieht, als wenn es mit der Beredsamkeit zusammenhinge 1⁰ ⁶6). An einer anderen Stelle 1⁰7) beruhigt er seine Söhne darüber, dass er sich von den Declamatoren zu den Geschichtschreibern wende.

Eine weitere Unterbrechung erleiden die Verhandlungen dadurch, dass sich Seneca nicht selten direct an seine Söhne wendet, um sie auf gewisse Umstände aufmerksam zu machen, oder ihnen anzugeben, warum er dies und jenes mittheile, oder sie an früher Gesagtes zu erinnern ¹°).

Endlich verschweigt er manchmal absichtlich einzeme Theile einer Controverse, wobei er eine Andeutung des Aus- gelassenen mit möglichster Kürze gibt ¹⁰⁴).

106) S. 2, 15. 1⁰⸗) S. 6, 16. 10) Vgl. z. B. S. 1, 16. 2, 10. C. 16, 27.

1⁰%) So C. 8, 10: Hic exempla. 14, 15: Hic vitiorum expro- bratio. 21, 13: Deinde de animo servi. Vgl. C. 23, 8. 24, 11. 28, 6. 32, 8.