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Rhetoren der Vergessenheit entziehen oder vor einer falschen Beurtheilung bewahren wollte, von denen es entweder gar keine Commentarien, oder doch keine wahrheitsgetreuen gabꝰ³). Sein ausgesprochenes Bestreben ist es, nicht nach persönlicher Gunst, sondern nach reiflicher Ueberlegung zu schreiben ⁹⁴) und mit der grössten Gewissenhaftigkeit Jedem das Seine zu geben ⁹⁵5). Er will aber nicht etwa schöne Redeblumen aus- suchen, er beabsichtigt vielmehr Beispiele zu geben, an denen man sehen könne, was man als Redner zu thun, was zu meiden habe; ja er theilt mit Wissen und Willen alle Arten von ver- kehrten Aussprüchen mit ²⁶).
Die vielen Aeusserungen von griechischen KRhetoren, die sich in seinem Werke finden, sollen seinen Söhnen zeigen, wie leicht der Uebergang von der griechischen Beredsamkeit zur römischen sei, und wie Alles, was sich gut sagen lässt, ein Gemeingut der Völker sei; zugleich sollen sie dazu an- leiten, die Geister mit den Geistern zu vergleichen, und zeigen, dass die lateinſsche Sprache mehr Kraft(facultas) und weniger Ungebundenheit(licentia) habe ⁹⁷).
Man darf jedoch nicht erwarten, in einer einzelnen sua- soria oder controversia ein treues Bild der Verhandlungen der Rhetoren zu finden, wie sie zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Orte vor sich gingen 9⁸); die einzelnen Stücke sind vielmehr nur nach dem Inhalt abgegrenzt. Da nämlich die meisten Themata in den verschiedenen Rhetoren- schulen stereotyp waren, so stellt Seneca zusammen, was er über dieselben irgendwo gehört hatte?*). Andrerseits ermög-
5³) Pr. C. I, 11.— ²⁴) Pr. C. X, 16.— ¹s) Pr. C. I, 11: summa cum fide suum cuique P[rhetori] reddam.— ¹⁶) C. 12, 12. 25, 27.— 91) C. 33, 23.
9) So fängt C. 14 mit den Worten an: Utriusque tamen con- paretur luxuria.
5⁰⁹) Vgl. z. B. S. 2, 11. 12. C. 2, 22. 29, 17. 33, 14. Die erst- erwähnte Stelle lautet: Non quidem in hac suasoria sed in hac ma- teria disertissima illa fertur sententia Dorionis...


