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2. Schulfeste.
Am I. Juni wurde das herkommliche Frühlingsfest mit Ausflügen sämtlicher Klassen in die nähere und entferntere Umgebung Frankfurts gefeiert.
Die vaterländischen Gedenktage wurden mit gemeinsamer Andacht und ent- sprechenden Vorträgen begangen. Auch am Sedantag beschränkte sich diesmal die Feier auf einen Schulakt mit Vortrag und Deklamation, weil mit Rücksicht auf das in dieser Zeit in der Nâhe der Stadt abgehaltene groſse Manöver von einem Auszug der Schule abge- sehen wurde Statt dessen besuchten am 4. September eine groſse Anzahl unserer Zöglinge mit ihren Eltern oder Angehörigen die Kaiserparade bei Homburg, da der Unter- richt an diesem Tage zufolge Anordnung der vorgesetzten Behörde ausgesetzt worden war.
Zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand am 27. Januar eine Schul- feier statt, bei welcher Oberlehrer Dr. Orth die Festrede über den„Anti-Macchiavell“ Friedrichs des Groſsen hielt.
3. Prüfungen und Besuche der Anstalt.
Vom 10.— 14. August unterzog sich ein Oberprimauer der schriftlichen Reifeprüfung. Die mündliche Prüfung wurde unter dem Vorsitz des Direktors am 14. September abge- halten. Im Winter begann die Entlaſsungsprüfung am 7. Februar, die mündliche fand unter dem Vorsitze des Direktors am 21. Mäàrz statt. Sämtliche Prüflinge(21) wurden für reif erklärt.
Am 19. Mai beehrten der Ministerialrat, Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Koepke und Herr Geh. Regierungsrat Dr. L ahmeyer die Anstalt mit ihrem Besuche. Die Herren besichtigten die Sammlungen der Schule und wohnten in mehreren Klassen dem Unterrichte bei. Desgleichen hospitierten am 19. August in mehreren Lehrstunden Herr Geh. Hofrat Dr. Uhlig aus Heidelberg und Herr Geh. Reg.- u. Oberschulrat Dr. Albrecht aus Straſsburg.
Das Kaiser-Friedrichs-Gymnasium sieht jetzt auf das erste Jahrzehnt seines Bestehens zurück. Genau 800 Schüler haben in dieser Zeit die Anstalt besucht, und 124 Oberprimaner erhielten seit Ostern 1892, wo die erste Entlassungsprüfung statt fand, das Zeugnis der Reife für das akademische Studium. Natürlich war nicht allen Wünschen, die bei der Er- öffnung der Schule ausgesprochen wurden, Gewährung beschieden. Auch lieſsen sich nicht alle Ziele erreichen, die damals die neuberufenen Lehrer der Anstalt in der frischen Be- geisterung, mit der sie ans Werk gingen, sich setzten. Die Gründe für dieses Zurückbleiben sind unschwer zu finden. Sie liegen abgesehen von den Schwächen, die allem menschlichen Beginnen und Streben anhaften, in den Verhältnissen. Unverkennbar hatte auch unser Gym- nasium in dieser Zeit unter der gegenwärtigen, den alten Gelehrtenschulen abholden, ja vielfach feindlichen Zeitströmung zu leiden, deren charakteristischen Niederschlag in dem letzten Jahrzehnt die neuen Lehrpläne von 1891 bilden. Dazu kommt die für die Ent- wicklung einer höheren Schule im ganzen gewiſs nicht günstige Lage unseres Gymnasiums


