Aufsatz 
Physikalische Versuche / von August Köhler
Entstehung
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abgewandten Rand des Schirms bringen, ſo daß ihre optiſche Achſe etwa in die Schirmfläche fällt. Beſonders Sammellinſen und ⸗ſpiegel zeigen die Convergenz des Lichtes ſehr ſchön. Man kann auf dieſe Art ſogar ziemlich genau die Brennweite meſſen. Ich habe die Verſuche bis jetzt nur mit Auer⸗ licht ausgeführt, Lichtquellen von kleinerer Ausdehnung werden wahrſcheinlich eine etwas andere An⸗ ordnung bedingen. Ich hoffe, bald in der Lage zu ſein, die Verſuche mit elektriſchem Licht auszufüh⸗ ren, mit Hülfe deſſen die Erſcheinungen wohl weſentlich glänzender ausfallen werden.

11. Das Chermoſkep mit Silberqueekſilberjodid.

Zur Herſtellung der Schirme mit Silberqueckſilberjodid rühre ich das Pulver mit Alkohol an, der auf 10 cem einige Tropfen Schellacklöſung enthält. Die ſo hergeſtellte Farbe trage ich mit dem Pinſel auf dünne 0,02 0,03 mm dicke Glimmerplatten auf, die man mit dem Stiel eines Scalpells leicht von dickeren Platten abſpalten kann, wie man ſie zur Herſtellung von Fenſtern an Oefen benutzt. Ein ſolches Glimmerblatt klebe ich vor dem Auftragen der Farbe mit Leim auf eine Papp⸗ oder beſſer Zinkblechſcheibe, die eine Oeffnung beſitzt, welche etwas kleiner iſt als das Glimmerblatt. Dieſer Rahmen ſchützt das Glimmerblait, und wenn man den Anſtrich auf die dem Blech zugewandte Seite aufträgt, auch die Jodidſchicht vor Beſchädigungen. Die andere Seite des Glimmerblatts beſtreiche ich mit Ruß, der wie das Jodid mit Alkohol und etwas Schellacklöſung angerieben wird. Auf die berußte Seite läßt man die Wärmeſtrahlen fallen. Man erhält ſo einen Schirm von geringer Wärmcapacität und möglichſt großem Abſorptionsvermögen, deſſen wärmeempfindliche Seite bequem während der Beſtrahl⸗ ung beobachtet werden kann.

Hält man dieſen Schirm mit der berußten Seite gegen einen Ofen, ſo wird er in einer ge⸗ wiſſen Entſernung roth, bringt mon aber, ehe man den Schirm dem Ofen nähert, in geringem Ab⸗ ſtand von der berußten Fläche einen Ring oder einen Schlüſſel an, ſo erſcheint bei genügender An⸗ näherung an den Ofen ein gelber Schatten auf rothem Grund. Die Schatten ſind nicht beſonders ſcharf, da die ſtrahlende Fläche groß iſt, alſo ein breiter Halbſchatten und nur ein kleiner Kernſchatten entſteht, man muß deßhalb den ſchattenwerfenden Körper nahe an den Schirm bringen.

Selbſt geringe Temperaturdifferenzen laſſen ſich auf einem ſolchen Schirm nachweiſen. Ent⸗ wirft man mit dem Hohlſpiegel eines Mikroſkops der von mir benutzte hatte 5 cm Durchmeſſer und 9 cm Brennweite auf der geſchwärzten Rückſeite des Schirms ein Bild einer mäßig weit ent⸗ fernten Petroleumflamme, und nähert dann der Jodidſeite des Schirms eine erwärmte Glasplatte man wählt Glas, um den Schirm durch die Platte beobachten zu können, ſo erſcheint ein rother Fleck, der ungefähr die Form und Ausdehnung des Flammenbildes auf der Rückſeite hat. Daß das Wärmebild nicht ganz ſcharf iſt, rührt wahrſcheinlich von der Wärmeleitung innerhalb der Schichten des Schirmes her.

Das Annähern der warmen Glasplatte hat den Zweck, das Jodid ſoweit zu erwärmen, daß die geringe, durch das Flammenbild erzeugte Temperaturerhöhung hinreicht, den Farbenumſchlag hervorzurufen.

Verſuche, die gewiſſermaßen eine Erweiterung des von Weinhold in ſeinen Demonſtrationen pag 463 beſchriebenen Verſuchs darſtellen, laſſen ſich leicht mit Stanniolſtreifen machen, die man auf der matten Seite mit einem Jodidanſtrich verſieht. Einen Theil der glatten Seite läßt man blank, auf einen andern trägt man mit Alkohol und etwas Schellack angeriebenen Ruß auf und auf einen dritten Alaunpulver, das man ebenſo mit etwas Waſſer anreibt. Liegt die blank gelaſſene Stelle in der Mitte des Schirmes, ſo wird dieſe gelb bleiben, wenn man den Streifen in die Nähe des Ofens bringt, während das obere und das untere, mit Alaun reſp. Ruß bedeckte Drittel wegen der ſtärkeren Abſorption ſich röthen. Dies iſt das Reſultat, wenn die Jodidſeite von der Wärmequelle abgewandt iſt. Nähert man aber denſelben Streifen der Wärmequelle ſo, daß die Jodidſeite der Wärmeguelle z u⸗ gewandt iſt, ſo iſt offenbar das Abſorptionsvermögen an allen Stellen des Streifens daſſelbe, das Emiſſionsvermögen iſt aber an der berußten und an der mit Alaun bedeckten Stelle größer als an der blanken und deßhalb erwärmt ſich die letztere am ſtärkſten und der Streifen wird zuerſt in der Mitte roth. Eine einfachere Veranſchaulichung des Kirchhoff'ſchen Satzes von dem Verhältniß des Ab⸗ ſorptions⸗ und Emiſſionsvermögens iſt wohl kaum denkbar.