Höhere Schule und Schundliteratur.
Erzieher-Sorgen und Streben.
Von Dr. phil. Karl Breuer, Oberlehre an der Liebig-Realschule zu Frankfurt a, M.
Ein ernster Fall!
Fünf Schüler der Untersekunda, im Alter von 15 bis 19 Jahren, dringen in später Stunde, unter dem Schutze dunkler Winterabende, auf schwierigem Wege kletternd, in das Schulgebäude ein, durch- streifen das ganze Haus vom Keller bis zum Speicher, öffnen mit selbstgefertigtem Nachschlüssel alle Räume: Direktor- und Lehrer- zimmer, Bibliothek und Sammlungen, versuchen— allerdings ohne Erfolg— Schrank, Schreibtisch und Pult des Direktors zu öffnen und nehmen aus der phusikalischen und anderen Samm- lungen mehr oder minder wertvolle Gegenstände mit, um mit ihnen zu Hause zu experimentieren oder sie zu verkaufen oder sie auch nur zu verstecken.
Die Verfehlung erscheint außerordentlich schwer, wenn man bedenkt, daß diesen jungen Leuten in wenigen Monaten durch Ver- leihung des Berechtigungsscheines zum Einjährig-Freiwilligen Dienst ein gewisser Lebensernst amtlich bescheinigt werden sollte, und daß dieselben dann aus ihrer Anstalt meist'in einen Lebensberuf eintreten.
Eltern und Erzieher haben ein lebhaftes Interesse an der Auf- klärung eines so betrübenden Vorfalles, welcher durch seine Beweg- gründe keineswegs nur lokale Bedeutung hat, sondern der für die Erziehung unserer Söhne auf den höheren Schulen und den Kampf der Schule gegen die schlechte Lektüre wichtige Lehren und beher- zigenswerte Winke gibt.
Wie dies gewöhnlich bei gemeinsamem Vorgehen von Schülern in derartigen Vergehen der Fall ist, haben wir es mit Verführern und Verführten zu tun.
Bei diesen— un dies vorweg zu nehmen— war es nur die Ueberredungskunst jener und der Reiz des Geheimnisvollen, der sie veranlaßte, sich an dem bedenklichen Abenteuer zu beteiligen: Es sind Opfer ihrer Charakterschwäche; man kann sie von schwerer Schuld nicht freisprechen, wohl aber können wir sie dbemitleiden und ihnen mildernde Umstände zuerkennen.


