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rührt ſich die Geſtalt auf dem Bilde. Sie ſteigt vom Bilde herab, geht zum Tiſch, als wenn ſie den Mann nicht bemerkte, und tritt neben ihn hin. Sie ſpricht kein Wort, ſondern faltet das Gewand auseinander, nimmt mehrere Rollen mit Dukaten heraus und zählt ſie auf den Tiſch. Da ergreift der Herr eine Rolle, die ganz am Ende des Tiſches lag, und ſteckt ſie in die Taſche. Die Geſtalt tat ſo, als ob ſie das nicht bemerkt hätte, und wollte ſich entfernen; aber dann wandte ſie ſich noch einmal um und ſagte:„Eben ſo wie du habe auch ich früher gelebt, und dafür bin ich beſtraft worden. Ich weiß, daß du eine Rolle mit Dukaten genommen haſt. Ich ſchenke ſie dir; doch haſt du dadurch deine Seele dem Teufel verkauft.“ Da widerſetzte ſich der Herr und ſagte, er habe das Geld nicht geſtohlen, und er habe ſich auch nicht dem Teufel verkauft. Die Geſtalt blickte ihn zuerſt ſcharf an; dann verſetzte ſie ihm einen Hieb mit einem Stocke, und ſofort ſtürzte der Herr tot nieder. Am andern Cage fand man ihn, und in ſeiner Taſche ſteckte eine Rolle mit 3000 Talern. Das Bild blieb unverändert an der Wand hängen.
Seitdem ſpukte es in dem Hauſe, und niemand wollte in dem Zimmer, in dem der Herr gewohnt hatte, wohnen. Nach einiger Zeit ſah man an der andern Wand des Zimmers ein zweites Bild hängen. Es war das Bild des Herrn. Niemand wußte, wie es dorthin gekommen war. Als aber bald darauf in dem Hauſe ein Feuer entſtand und auch das Zimmer, in dem ſich die beiden Bilder befanden, zu brennen anfing, hörte man auf einmal ein lautes Pfeifen, und vor den Augen aller ſtiegen die Geſtalten von den Bildern herab und verſchwanden in der Luft.—
Aus polniſcher Quelle, mitgeteilt vom Primaner Kurlus. Zu vergleichen iſt Holczabek und Winter, Sagen und Geſchichten der Stadt Wien I S. 62: Der Maler und Kupferſtecher Hirſchvogel aus Nürnberg zeichnet mit einer Kohle eine Teufelsfigur auf die Wand. Doktor Fauſt belebt dieſe Zeichnung; ſie fängt an ſich zu bewegen. Die Kleider wurden feuerrot, die Huffen am Wamſe färbten ſich kohlſchwarz, die Feder auf dem Hute wurde ebenfalls rot, das Mäntelchen wurde grün, die Augen des ſchrecklich blaſſen Angeſichts leuchteten wie feurige Lohe, und mit einem donnerähnlichen Getöſe ſprang die entſetzliche Figur unter die Gäſte. Von einem Teufelsbildnis erzählt auch Alpenburg, Mythen und Sagen Tirols S. 228; es iſt ein an der
Kirchhofsmauer angebrachtes altes Schnitzbild, welches von einem übermütigen Burſchen fort⸗ getragen wird und dann zu reden anfängt. Der Träger ſtirbt bald darauf. Nach Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum GOldenburg I S. 224 f. iſt an der Scheunentür eines Hanſes mit bunter Glfarbe ein Junker abgemalt, der hoch in der linken Hand einen Hahn und in der rechten ein kurzes Schwert hält, als ob er dem Hahn damit den Kopf abſchlagen wolle. Nachts zwiſchen 11 und 12 Uhr verſchwindet der Junker von der Tür und geht im Hauſe und in der Scheune um; Freitags fängt er ſogar ſchon um 10 ¼ Uhr damit an und kommt dann auch in die Stube. Wiſcht man von dem Bilde etwas weg, ſo wird der Junker böſe und kommt abends in die Stube und rumort darin herum. Ähnlich erzählt man von den alten Porträts der polniſchen Könige am Rathauſe zu Poſen, daß ſie bei Tage ſchlafen und bei Nacht erwachen; dann ſchreiten zwei ſteinerne Königsgeſtalten aus dem gegenüberliegenden Palais hervor und umwandern das Rathaus. Ihre Säbel klirren unheimlich auf dem Geſtein, und wenn ſie ſeufzen, ſo hallt es wieder durch alle Räume des alten Gebäudes, und die gemalten Könige an den Wänden regen ſich und glänzen im Mondlichte(O. Anoop, Sagen und Erzählungen aus der Provinz Poſen S. 232). In einem Märchen bei B. Ilg, Malteſiſche Märchen und Schwänke I S. 200, ſteigt ein Heiligenbild aus dem Rahmen, nimmt wirkliche Geſtalt an und hält den Teufel ab.*) J. Wenzig, Weſtſlaviſcher Märchenſchatz S. 131, erzählt von Jungfrauen, deren Bilder auf kriſtallenem Glas in Regenbogenfarben abgebildet ſind, und während der Königsſohn ſie voll Verwunderung betrachtet, beginnen die Jungfrauen ſich zu bewegen, als ob ſie lebten, blicken nach ihm und lächeln ihn an, als ob ſie ſprechen wollten. Und die eine, die er haben will, neigt das Haupt und wird rot wie eine Roſe, und dann ſind plötzlich alle Bilder verſchwunden. Nach B. Curley, Schwediſche Märchen(3. Aufl.) S. 69 ſind in einem Saal ſieben Frauenbilder auf⸗ geſtellt, und der Held ſoll ſagen, welches die verzauberte Prinzeſſin darſtellt. Mit Hilfe des Bienenkönigs findet er das richtige Bild heraus. Da ſchreit die alte Zexe laut auf, und bei ihrem
*) Vergl. auch mein Poſener Sagenbuch S. 52(Die wandelnden Bilder). Über ein ſchreiendes Bild ſ. Aus dem Poſener Lande III. S. 523.


