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Ohne kriegerisches Geleit war es nur Pilgern und Bettlern möglich zu reisen. Nur die Hauptstraßen, auf denen der Handel sich bewegte, z. B. nach Venedig, Nürnberg, Augsburg u. s. W. waren leidlich in Stand gehalten. Trotzdem waren die Straßen sehr belebt, auch von Frachtwagen, besonders seit dem 15. Jahrhundert. Mit dem Aufblühen der Städte, ihrer Märkte und Messen, mehrte sich auch der Wagenverkehr, bedurfte aber immer noch des militärischen Schutzes, der allerdings zuletzt nur der Abgabe wegen aufrecht erhalten wurde. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts blühten die Frachtwagen, welche bei der Sicherheit in den erstandenen größeren Staaten ungehindert ihre Aufgabe erfüllen konnten. Wahre Ungetüme rollten die wohlgepflegten Chausseen dahin, auf Bügeln überspannt von dem gewaltigen Leinenplan. Vorn und hinten entstanden durch die sogenannten Schoß- kellen geräumige Ausbauten, und unten baumelte noch ein Kasten für mancherlei Gerät. Die geräumigen Fuhrmannsherbergen mit ihren weiten Höfen erinnerten an die Karavansereien und machten gute Geschäfte. Das Geschirr der Pferde war mit Schellen und blinkenden Metallzieraten geschmückt.
Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts beförderte die Post, welche sich bis dahin nur der Briefschaften angenommen hatte, auch Pakete und Güter. Der gebotenen Sicherheit wegen wurde diese Gelegenheit fleißig benutzt. Wir wissen, bis zu welchem ungeheuren Umfange, besonders zu Festzeiten, der Paketverkehr der Post sich entwickelt hat, wenn auch der gelbe Postwagen in neuester Zeit ein gut Teil seiner früheren Leistung an Eisen- bahnen und andere Fahrgelegenheiten abgegeben hat.
Was jetzt von Frachtfuhrwerk bei uns noch vorhanden ist, beschränkt sich auf kleinere oder vom Bahnverkehr bisher unberührte Strecken. Von größerem Umfange finden wir es noch in Süd-Afrika, wo weite Wege zu überwinden sind, und das Kamel nicht gedeiht. Da das dortige Klima auch dem Pferde nicht förderlich ist, so sind es Maultiere und besonders Ochsen, welche zu sechs und mehr Paaren vor einen schwerfälligen Wagen gespannt werden und diesen langsam aber sicher durch Wüsteneien und Gewässer ziehen. Die Erfindungen der Neuzeit auf dem Wagengebiete, das Stahlrad und der Automobilwagen, kann man nicht als Fortentwicklung der alten Lastwagen ansehen, sie haben daher bis jetzt für die Waren- beförderung nur untergeordnete Bedeutung.
5. Eisenbahn.
Nicht nur die Erbschaft der Frachtwagen und Karavanen hat die Eisenbahn über- nommen, sie hat sich ein weiteres Reich geschaffen, als jene sich nur träumen lassen konnten. Ungezählte Kilometer von Schienensträngen überziehen das Angesicht der Erde, und täglich mehren sie sich noch. Freilich Schienen und eiserne Wege für Wagen hat es schon früher gegeben; in Bergwerken rollten die Hunde längst auf solchen. Aber erst Stephensons Loko- motive hat die wirkliche Eisenbahn erzeugt, an eine andere denken wir dabei kaum. Und doch, trotz der riesigen Ausdehnung des Eisenbahnnetzes und der ungeheuren Gütermassen, welche darauf befördert werden, ist weder die Gestaltung der Beförderungsräume riesig, noch ihre Entwicklung besonders merkbar. Ein Vergleich mit der Schiffsgestaltung ist unmöglich zu ziehen. Die Gründe dafür liegen in verschiedenen Richtungen. Länge und Höhe der Eisenbahn-. wagen ist beschränkt, erstere durch das Befahren von gekrümmten Strecken, letztere durch Tunnel- und Brückenhöhe. Die so entstehenden kleineren Räume machen es nicht nur möglich, sondern sogar notwendig, die Güter zu gruppieren und die gleichartigen in demselben Wagen unterzubringen. Zudem dauert der Transport auf der Eisenbahn nur selten längere Zeit und heischt darum weniger Schutzvorrichtungen. Ehedem wickelte sich ein Ausfuhrgeschäft etwa in einem Jahre ab. Die Baumwollbestellung nach Amerika Zz. B. lief 1 Monat, nach einem weiteren Monate kam die Ware an; die Verfrachtung ins Inland mit Wagen wieder 1 Monat, Arbeitsprozeß 2 Monate, Verfrachtung ans Meer gab den sechsten Monat. Nun kam die Ausfuhr ins Ausland, die mit Zahlung wieder 6 Monate forderte. Jetzt wickelt sich das alles in 2 Monaten ab. Ankauf telegraphisch, Spedition zur Fabrik 1 Monat, Verarbeitung in wenigen Tagen, Ausfuhr unter Benutzung aller Fahrpläne und. Schiffsverbindungen 1 Monat.. 1.
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