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Die Handarbeit schließt sich dieser Verteilung an, indem sie als Material hauptsächlich Holz verwendet.
Klasse II 2 sucht stilisierte Pflanzenformen plastisch zu gestalten, indem sie dieselben aussägt und schnitzt, auch wohl mehrere Lagen über einander pringt. Zeitungsmappen, einfache Bilderrahmen, Uhrständer u. s. w. sind dabei geeignete Objekte der Ausschmückung. Auch können die einfachsten Formen des Kerbschnittes schon an Platten, Linealen u. s. w. versucht werden.
Klasse II1 und I 2 wählt hauptsächlich Gegenstände, welche größeren Raum beanspruchen und deutlich architektonischen Charakter tragen: Kästen, Schränkchen, Umrahmungen. Es können daran nicht nur die Stilgesetze erläutert, sondern auch ausgedehntere Ornamente und Füllungen in verschiedenen historischen Stilen angebracht werden. In IIl werden natürlich mehr pflanz- liche, in I2 mehr tierische Formen verwendet. Auch Ampeln aus Metallstreifen lassen sich
gut
diesen Kursen anpassen.
Klasse I1 sucht wieder größere Flächen zu gewinnen, um die Pflanze in furbiger Aus- führung darauf auszubreiten. Truhen, Tischplatten, Teller u. dgl. eignen sich dazu. Auch Muscheln, getrocknete Früchte und Fruchtschalen können an geeigneten Stellen zur Verzierung verwendet werden. Daneben wird nach Umständen das früher Erlernte ausgebaut, doch darf dabei den Wünschen der Einzelnen mehr Rechnung getragen werden.
Daß die bisher dem Zeichenunterrichte zugemessene Zeit für diesen Formenunterricht vermehrt werden mufz, ist klar. Wenn es möxglich wird, die zwei Zeichenstunden in der sechsten Klasse wieder zu gewinnen, so könnte das angedeutete Pensum bei richtiger Begrenzung in einer wöchentlichen Stunde bewältigt werden, so daß dem gesamten Unterricht in der räumlichen Kunst drei wöchentliche Stunden zu Gebote ständen. Das ist gegen die Zeit, welche auf Gesang und Poesie entfällt, nicht viel; zudem waren ja schon früher dem Zeichenunterricht in den Ober- klassen drei Stunden bewilligt. Allerdings darf man den Lehrer in der Ausnutzung dieser Zeit nicht zu sehr beengen und muß, wenn irgend möglich, zwei Stunden zusammen legen.
Die unterrichtliche Behandlung ist der im Zeichnen gleich. Das anzufertigende Gebilde ist vorzustellen; in den Unterklassen als Gegenstand, in den oberen teilweise als Zeichnung. Auch kann sowohl nach Schülerzeichnungen plastisch gearbeitet, als auch nach Schülerarbeiten gezeichnet werden, vorausgesetzt, daß beides tadellos ist.
Alle Schüler einer Klasse arbeiten dasselbe; doch ist es dem Einzelnen gestattet, diese oder jene kleine Abweichung zu machen oder ein anderes, passendes Ornament zu verwenden. Uberhaupt muß hier der Lehrer als Künstler walten und möglichste Freiheit lassen. Einzelne Teile muß der Lehrer vormachen und auch die Verbesserung mitunter thatsächlich zeigen, jedoch nicht an der Schülerarbeit. Ein Arbeiten an den Schulaufgaben zu Hause ist nicht gestattet, dort mag der Schüler mit seiner freien Zeit ganz nach Gefallen schalten.
Man darf die feste Hoffnung hegen, daß ein derartig ausgebildeter Formenunterricht nicht nur das Kunstgefühl der Jugend bedeutend heben, sondern auch ein treibender Sporn für häusliche Arbeiten, für das ganze Leben sein werde. Mit dem Handwerk direkt hat dies alles gar nichts zu thun; demselben soll damit weder Konkurrenz gemacht, noch soll es dadurch gehoben werden. Was die weitere Entwicklung in dieser Beziehung bringt, möge man getrost der Zukunft überlassen. Es sollen hier nicht mittelalterliche Zustände neu belebt oder künstlich aufgefüttert werden; es soll einzig eine allgemein menschliche Geistesanlage, eine wesentliche Anlage auch unseres Volkes, gepflegt, es sollen Schutt und Unkraut, die sie zu ersticken drohen,


