Aufsatz 
Methodischer Leitfaden der unorganischen Chemie : Induktive Einführung in das Verständnis chemischer Vorgänge unter Berücksichtigung der Thermochemie : für höhere Lehranstalten / von L. Knöpfel
Entstehung
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Die zuſammengeſetzten Salzbildner können als ungeſättigte Atomgruppen für ſich allein nicht beſtehen und laſſen ſich alſo im freien Zuſtand nicht darſtellen. Sobald ſie ſich bei chem. Vorgängen abſcheiden ſollten, zerfallen ſie in eine niedrigere Sauerſtoff⸗ verbindung und Sauerſtoff, z. B. S09= 803+ O0. Trotzdem ſind wir zur Annahme von Radikalen überhaupt berechtigt(Queck⸗ ſilberamalgam, Iſomerie organ. Verbindungen). Auf die Struktur der zuſammengeſetzten Salzbildner ſelbſt können wir nicht näher eingehen, um ſo weniger als wir dadurch Vorteile für die Be⸗ handlung unſeres Stoffes nicht gewinnnen würden.

2. Zuſammenſetzung der Baſen. Bei der Einwirkung von Kalium auf Waſſer erhält man

AÄtzkali K0H, K+ HOH)= K0OOM)+ H, [Na+ HC!)= Na(Cl)+ H.]

K(OH), desgleichen Na(OH) können wir als HOH) anſehen, in welchem 1 H durch K oder Na erſetzt iſt. H(OH) verhält ſich zu K und Na genau ſo wie H(Cl) zu den Metallen. Da ſich alſo H in H(OH) durch K und Na erſetzen läßt, ſo müſſen wir nach der allgemein üblichen Definition von Säure und Salz H(OH) zu den Säuren und folgerichtig K0OHI) und Na(OH) zu den Salzen rechnen.(OH) iſt alſo ein Salbzildner. Wie ſchon vorher die Scheidewand zwiſchen Säuren und Salzen fallen mußte, können wir jetzt auch einen Unterſchied zwiſchen Baſen und Salzen nicht aufrecht erhalten.

KOOH) und Na(OH), das man vielfach bei Verbindungen beſ. in der organ. Chemie annimmt, heißt Hydroxyl und ſeine Verbindungen Hydroxyde.(0H) iſt einwertig; die eine Wertigkeit des zweiwertigen O iſt durch H erſetzt, während die andere noch frei iſt.(HO) iſt nicht exiſtenzfähig. 2(OH)= H2O+ 0.

Calcium wirkt auf Waſſer nach folgender Gleichung:

Ca+ 2 OH,= Ca0O HI. †. H..

Wenn wir nicht bloß in K(OH) und Na(OH) die Gruppe(OH) annehmen, ſondern auch im Atzkalk, ſo wandelt ſich CaOeHa in Ca(OH), um, was auch mit der Wertigkeit von(OH) und, wie wir ſpäter ſehen werden, mit dem chem. Verhalten von Ca(OH)? übereinſtimmt.

Die Hydroxyde der Kalium⸗ und Calciumgruppe konnten wir darſtellen durch Einwirkung 1. der Metalle und 2. der Metalloxyde auf Waſſer, S. 55. Von Mg an wirken nicht mehr die Oxyde, ſondern nur noch die Metalle auf H2O, wobei man jedoch nur die Oxyde erhält, S. 51. Wir können alſo wohl Hydroxyde der übrigen Metalle vorausſagen, aber erſt ſpäter auf andere Weiſe darſtellen.