Aufsatz 
Methodischer Leitfaden der unorganischen Chemie : Induktive Einführung in das Verständnis chemischer Vorgänge unter Berücksichtigung der Thermochemie : für höhere Lehranstalten / von L. Knöpfel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

Körpers nicht in Ruhe, ſondern in ſteter Bewegun Bagriffen. Wird ein Körper erwärmt, ſo ſchwingen ſeine Moleküle lebhafter, infolge deſſen die Kohäſion ſich vermindert. Die Waſſermoleküle machen bei 1006 ſo lebhafte Bewegungen, daß ſie den auf ihnen laſtenden Luftdruck überwinden können. Wird jetzt noch weiter Wärme zugeführt, ſo dient dieſe Verdampfungs⸗ wärme nur dazu, die Moleküle zu trennen. Bei ihrer Verdichtung zu flüſſ. Waſſer muß dieſe Verdampfungswärme auch wieder frei werden.

Wärme iſt alſo Bewegung. Wo Wärme auftritt, geht Bewegung verloren und umgekehrt. Wenn nun die Vereinigung zweier Elemente mit Wärme⸗ entwicklung verbunden iſt, ſo hat dies in ähnlichen Vorgängen wie beim Fallen eines Steines ſeine Begründung. Die nicht verbund. El. befinden ſich immer noch in wenn auch noch ſo kleinen Entfernungen, die ſie infolge der chem. Anz. durchfallen, um ſich zu vereinigen. Der dabei gewonnene Geſchwindigkeitszuwachs der Atome tritt nach der Vereinig. als freie Wärme auf. Bei der Vereinigung der Elemente ſetzt ſich chem. An⸗ ziehung in Wärme um, ähnlich wie die anziehende Kraft der Frdebeim Fallen eines Steines aufden Boden in Wärme

ergeht.

Die Hilfskraft.

Die Vereinigung von Fe und S erfolgt trotz ihrer chem. Anzieh. erſt, ſobald man das Gemenge an einer Stelle kurz erwärmt. Dann aber geht der Vorgang von ſelbſt weiter. Ganz allgemein: Die Elemente verbinden ſich in der Regel erſt bei höherer Temp. Die Vereinigungstemperatur iſt für die einzelnen El. ver⸗ ſchieden. Beiſpiele!

Erklärung: 1. Flüſſige und gasförmige El. wirken viel leichter aufeinander ein als feſte. Corpora non agunt nisi fluida. 2. Die Lebhaftigkeit der Vereinigung nimmt im allg. mit der Temp. zu(Darſt. von Hg S). Da alſo die chem. Anz. in dem Maße zur Geltung kommt, als die Kohäſion geſchwächt wird, ſo nehmen wir als Widerſtand gegen dieſelbe an 1. die Kohäſion der Mol. untereinander ſund 2. die chem. Anz. der Atome in den einzelnen Mol.]. Dieſer Widerſtand muß durch die Wärme als Hilfskraft überwunden werden, indem ſie die Mol. und die Atome in denſelben in lebhaftere Bewegungen verſetzt. Dadurch wird ihre Anz. geſchwächt und die den El. innewohnende chem. Anz., ihre Spannkraft, kommt zur Wirkſamkeit. Ahnlich beſitzt ein am Bergabhang liegender Stein die Fähigkeit und das Beſtreben, hinabzurollen, wird aber durch Widerſtand am Boden daran ge⸗ hindert, ſodaß dieſer Widerſtand erſt durch einen Anſtoß überwunden werden muß. Die Wärme als Hilfskraft löſt die chem. Anz. der El. nur aus, ohne in den Verlauf des Vor⸗ gangs ſelbſt entſcheidend einzugreifen. Als Hilfskraft kann jede der molekularen Anz. entgegenwirkende Kraft dienen: am häufigſten die Wärme, ſeltener der elektr. Funke, das Licht und die ſichtbare Bewegung, z. B. ein Schlag. Sie ſpielt dieſelbe Rolle wie die Auslöſung bei den Spannkräften überhaupt, z. B. der Drücker eines Gewehres oder einer Armbruſt. Vielfach genügt es, die Hilfskraft nur kurze Zeit einwirken zu laſſen, wenn nämlich die