Vorwort.
„Für den Unterricht in der Schule liegt der Wert der Chemie darin, daß die Schüler an einem einfachen Stoffe und durch einfache, leicht durchſichtige Verſuche in das Verſtändnis der induktiven Methode eingeführt werden; auf der anderen Seite iſt aber weit mehr als im phyſikaliſchen Unterrichte die Gefahr vorhanden, daß die Schüler durch gleichmäßige Behandlung aller Elemente und ihrer Verbindungen mit Lehrſtoff überladen und zu überwiegend ge⸗ dächtnismäßiger Aneignung genötigt werden. Darum iſt gerade auf dieſem Gebiete vorſichtige Auswahl des Lehrſtoffes dringend geboten; wenn aber dieſe Vorſicht beobachtet wird, kann das Ziel des Unterrichts, Bekanntſchaft mit den wichtigeren Elementen und ihren Verbindungen und Verſtändnis der allgemeinen, den Prozeſſen zu Grunde liegenden Geſetze auch bei geringerer Stunden⸗ zahl recht wohl erreicht werden.“
In Übereinſtimmung mit vorſtehender Cirkularverfügung zu den preuß. Lehrplänen f. d. höh. Schulen iſt der Leitfaden nach folgenden Grundſätzen bearbeitet:
1. Die Methode der naturwiſſenſchaftlichen Forſchung überhaupt muß auch die Methode des chem. Unterrichts ſein. Ganz zu ver⸗ werfen iſt die dogmatiſche Behandlung der Chemie.
2. Die chem. Forſchung beginnt mit Beobachtung und Verſuch und folgert alles aus ihnen.
3. Der Lehrſtoff ſoll, vom Einfachen zum Schwierigen auf⸗ ſteigend, aus ſich ſelbſt entwickelt und als ein innerlich zuſammen⸗ hängendes Ganzes aufgebaut werden, wobei jedoch auch auf die Irrwege der Chemie in ihrer geſchichtlichen Entwicklung hingewieſen werden ſoll.
4. Bei vorſichtigſter Auswahl des Lehrſtoffs muß auf die un⸗ beſchränkte Zahl der möglichen Verbindungen und Vorgänge wenigſtens hingewieſen werden.
5. Wenn auch bis jetzt die Lehren der Thermochemie noch nicht genügend entwickelt ſind, um die chem. Erſcheinungen mit derſelben Sicherheit erklären und vorausſagen zu können, wie dies in der Phyſik möglich iſt, ſo gehört der Thermochemie doch die Zukunft,


