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Dies wird beſtätigt durch die eigenthümliche Beweismethode, die Iſokrates bei Gelegenheit, namentlich in ſeinen Gerichtsreden, aber nicht in dieſen allein, anwendet. Ich meine die bekannte Kunſt der Eriſtik, eine Streitfrage ſo zu formuliren, daß ſie ſcheinbar unter allen Umſtänden ſchon zum voraus in dem gewünſchten Sinn entſchieden iſt, während in Wahrheit freilich die entgegeſetzte Ent⸗ ſcheidung mit gleichem Recht oder Unrecht ebenfalls für alle Fälle in Anſpruch genommen werden darf, jene Kunſt, die Iſokrates ſelbſt ganz richtig charakteriſirt, wenn er 21,18. ſagt, mit Zulaſſung einer ſolchen Beweisführung würden die Richter vé 0 ·1‿&ννιι, τ¶mℳ* Ʒιινε. Nicht nur läßt ſich Iſokrates 21,16.—19. mit Behagen auf die Umdrehung eines ſolchen vom Gegner vorgebrachten Beweiſes zu Gunſten des eigenen Klienten ein, ſondern er wendet 17,29. und 21,6. dieſe Methode ganz ſpontan für ſeine Sache an. In der erſteren Stelle nemlich will Iſokrates zeigen, daß ſein Klient in dem abhanden gekommenen Vertragsinſtrument unmöglich, wie der Gegner behauptet, auf ſeine Forderung verzichtet haben könne, weil er, wenn er das thun wollte, gar keinen Vertrag gebraucht⸗ alſo auch keinen abgeſchloſſen hätte; daß, wenn der Vertrag doch dieſen Inhalt hatte, der Gegner ein Intereſſe haben mußte, die Sache ſchriftlich zu fixiren, und alſo ſeinerſeits die Abſchließung eines ſchriftlichen Vertrags veranlaßt hätte, wird verſchwiegen. Ganz ähnlich iſt der Beweis 21,6., daß es viel wahrſcheinlicher ſei, wer Unrecht thun wolle, nehme etwas ſofort an ſich, weil er eben damit im Beſitz des gewünſchten Gegenſtandes ſei, als daß er einen Proceß anfange, den er mindeſtens ebenſo gut verlieren als gewinnen könne. Dieſes Kunſtgriffs bedient ſich nun Iſokrates auch 15,16., wenn er ausführt, daß er durch die gegen ſeine X6„² gerichtete Anklage eigentlich in die Lage verſetzt ſei, den Proceß unter allen Umſtänden zu verlieren; denn erſcheine ſeine Vertheidigung als genügend, ſo ſei eben damit die ihm vorgeworfene de‿rörne 1 Ʒywy bewieſen, erſcheine ſie ungenügend, ſo ſei ſein Proceß eben damit auch wieder verloren. Einfacher, aber nicht minder ſophiſtiſch ſind die Ausführungen 8,22. 5,3., daß es für Philipp wünſchenswerth ſei, wenn Athen Amphipolis beſitze und umgekehrt, oder die andere 15,225., daß die Sophiſten ihre Schüler nicht verderben können, weil doch niemand dafür etwas zahle, daß er ſchlechter werde; hiezu bildet dann 15,251.— 253. eine eigenthümliche Illuſtration, wo Iſokrates geltend macht, daß auch bei anderen Künſten der Lehrer nicht für den Charakter ſeiner Schüler verantwortlich gemacht werde, und nur vergißt, daß die Sophiſten ja eben Lehrer der Geiſtes⸗ und Charakterbildung ſein wollen. Nehmen wir endlich noch die verzwickte Künſtelei 15,263. hinzu, wo Iſokrates ſagt, er gebe ſowohl denen Recht, welche Eriſtik und Mathematik für unnütz erklären, wie denen, welche ſie loben, und er geſtatte ſich dieſen Widerſpruch, weil auch dieſe Wiſſenſchaften zu den übrigen Unterrichtsgegenſtänden ihrem Weſen nach in einem gegenſätzlichen Verhältniß ſtehen, ſo dürfte dies alles genügen, um zu zeigen, daß Iſokrates ſeine echt ſophiſtiſche Meinung, daß das ArAd Aéyei“ und das Augd« Aéyer verſchiedene Dinge ſeien 4,11., in ſeinen Reden ganz ent⸗ ſchieden befolgt hat, und daß er ſich in ſeiner Methode nicht weniger als in dem, was er ſagt, von der Richtung beeinflußt zeigt, die von Plato und Ariſtoteles ebenſo wie von Iſokrates ſelbſt, wo er polemiſirt, als trügeriſche Kunſt, Schein ſtatt Wahrheit zu geben, gekennzeichnet wird.


