32
unſerer mitteldeutſchen Landſtädtchen, einſchließlich des ſteilen Daches, das im Sommer die Anſammlung von Regenwaſſer, im Winter das Haften großer Schneemaſſen verhindert 3.
Das niederdeutſche Bauernhaus könnte ſich aus den über⸗ dachten Erdgruben(tugurium, ſiehe Leubingen, Helmsdorf) durch Hochheben des Daches entwickelt haben.
Das oberdeutſche Einheitshaus, wie es das Leſeſtück beſchreibt, läßt ſich dagegen ſchwerer einordnen. Steinſockel, Fachwerk, Blockbau und Zweifeuerſyſtem(das ſich in einem La-Toône-Fach⸗ werkbau zu Braubach zum erſten Male findet), könnten auf einen Miſchtyp hindeuten, doch läßt ſich heute noch nichts Abſchließendes feſtſtellen.
Der Megarontyp mit ganzer oder halber Vorhalle hat ſich in den ehemalig oſtgermaniſchen Gebieten Polens und des weſtlichen Kußlands bis heute erhalten, ein Beweis, wie der Zweckbau den Völkerwechſel überdauert. Doch haben wir aber gerade bei dieſem Haustyp eine Wanderung mit jenen Menſchen feſtſtellen können, die Troja beſiedelten, die weiter Träger der mykeniſchen Kultur waren(vgl. Schuchhardt, Vorgeſchichte von Deutſchland, S. 92 ff.), ein warmes Haus, das in der Urheimat der ſogenannten indo⸗ germaniſchen Völker entſprechend der feuchten Waldgebiete ſich ausgebildet hat und als zweckmäßig in den neuen Wohnſitzen beibehalten wurden 3³¹.
In der nächſten deutſchen Stunde werden die Schüler an Hand der Sprachgeſchichte darüber belehrt, wie die haupt⸗
33 Klimatiſche Einflüſſe: Wir befinden uns in der Zone der nieder⸗ ſchlagsreichen Waldgebiete, für die das Satteldach am zweckmäßigſten iſt. — Vgl. F. Oelmann, Bonner Jahrb. 129(1924), S. 104.
fügt Für den Primaner ſei hinſichtlich des Megaronhauſes noch hinzu⸗ gefügt:
1. Das Megaronhaus überdauerkt das Hin und Her der Völker in Polen und Rußland aus dem angegebenen Grund, ebenſo
2. bleibt es in Griechenland und Kleinaſien und iſt z. B. heute noch eine Form des perſiſchen Bauernhauſes: ſiehe Springer, I(11. Aufl.), S. 98, Abb. 219.
3. In Deutſchland findet es ſich zwar auf allen Kulturſtufen neben anderen Typen, ohne aber wie das Erodachhaus(Helmsdorf) oder das keltiſche Gebirgshaus oder das Hufeiſengehöft in heutigen Haustypen erkennbar zu ſein, d. h. es ſcheint, daß es im Laufe der Zeit entweder ganz aufgegeben oder ſo ſtark durch Übernahme anderer Bauelemente ver⸗ änderk worden iſt, daß wir es heute nicht mehr herausſchälen können. Es ſcheint alſo für die Verhälkniſſe in Mitteleuropa nicht paſſend geweſen zu ſein! Woher ſtammt es alſo? Vielleicht daher, wo es heuke noch zweckentſprechend iſt: aus Polen und Rußland, da es nach Griechenland uſw. durch Wanderung gelangt iſt.(Gegenſatz zu Schuchhardt.) Der Schüler kann daran ſehen, wie umſtritten dieſe Fragen noch ſind, zumal auch noch andere Umſtände dieſe Herleitung ebenſo rechtfertigen können, wie die Schuchhardts.


