Das Thema„Muſeum und Schule“ iſt eine engere Faſſung des Problems:„Wie kann die Maſſe unſeres Volkes mit der Vor⸗ geſchichte der engeren und weiteren Heimat vertraut gemacht werden?“
Zunächſt hat ſich der Staat in jüngſter Zeit mit dieſer Frage befaßt in der Erkenntnis, daß die Beſchäfkigung mit der Ver⸗ gangenheit in erſter Linie des eigenen Wohnortes dazu angetan iſt, die Natur und Heimat enkfremdeten Opfer des Molochs Indu⸗ ſtrie wieder Wurzel ſchlagen zu laſſen, daß ferner dieſe Arbeit am gemeinſamen Beſitz ein einigendes Band um alle Volkskreiſe ſchlingt.
Zu dieſem ſozialen kritt aber auch ein praktiſches Intereſſe: man lernt aus den Ortsgeſchichten, wie die Vorfahren es ſeit den urälteſten Zeiten verſtanden haben, die Beſonderheiten des Bodens dank ihrer engen Naturverbundenheit auszunutzen.
Mit der Bearbeitung des Materials hat der Staat die Schu⸗ len beauftragt, die gleich einem engmaſchigen Netz alle Punkte des Landes umſchließen, und deren Vertreter, die Lehrer, eng mit Land und Leuten verbunden ſind. Außerdem ſind die Lehrer auf Grund ihrer Ausbildung in der Lage, ſich die für die Mitarbeit notwendigen Kenntniſſe verhältnismäßig leicht zu erwerben.
Dabei beſteht indeſſen die Gefahr, daß manche in Über⸗ ſchätzung des Materials oder der eignen Kraft zu voreiligen, wiſſenſchaftlich nicht haltbaren Schlüſſen gelangen, wie es leider einige Hefte der Neuausgabe der„Heimakkunde vom Volksſtaat Heſſen“ bekunden. Dem wird vorgebeugt, wenn den großen wiſſenſchaftlichen Inſtituten, Univerſität, Staatsarchiv und Muſeen, größerer Einfluß geſicherk wird.
Als echte Mutteranſtalt für die Bearbeitung der Vorgeſchichte kommt vor allem das Römiſch-Germaniſche Central⸗Muſeum in Mainz in Betracht. Hier ſind nicht nur durch die enge räumliche Verbindung mit den ſtädtiſchen Sammlungen die Intereſſen der
1 Vgl. in Heſſen die Verfügung des Landesamtes für das Bildungs⸗ weſen, L. B. 15 852 vom 11. MNal 1926 mit Fragebogen; ferner: Hand⸗ bücher d. heſſiſchen Heimatforſchers, herausgegeben vom Landesamt für das Bildungsweſen(Heft 1, 1927, erſchienen).


