Aufsatz 
Über die Legionen, welche in Obergermanien standen / K. Klein
Entstehung
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burg und die XI(in Windisch) am Oberrheine, und als die letztere unter Septimius Severus ²⁸) nach Mösien abzog, scheinen mit dem Beginne des dritten Jahrhunderts zwei Legionen als Besatzung von Obergermanien hingereicht zu haben: die XXII primigenia, die in Mainz, die VIII Augusta, die in Strassburg ihr Hauptquartier hatte. So blieb es während der ganzen folgenden Zeit, wie denn Cassius Dio ⁷⁹) um die Mitte des dritten Jahrhunderts nur diese zwei Legionen in Obergermanien kennt 8c). Beide haben im vierten Jahrhundert ihr Ende am Rhein erreicht; ihre Geschichte wenigtens kann nicht weiter verfolgt werden und später findet sich nirgends wo mehr eine Erwähnung derselben. Als nämlich durch die Veränderungen, welche Diocletian und Constantin im römischen Heerwesen vor- nahmen, die alten Einrichtungen der Legionen sich auflösten: da verschwinden ihre Zahlen und Namen, so dass eine Geschichte der Legionen im Allgemeinen wie im Einzelnen niemals über diese Zeit hinausgehen kann.

Um nun zum Schlusse die Resultate unserer Untersuchung in einer Tabelle darzulegen, bemerkeu wir, dass viele der Jahreszahlen, wie sich aus der Abhandlung ergibt, approximativ sind, indem dadurch oft nur die Regierungszeit des Kaisers angedeutet werden soll; wir fügen, so viel wir es vermögen, die Hauptquartiere bei. Es ist nicht gewiss, ob mehrere Zegionen an einem Orte wie in Mainz neben einander ihr Hauptquartier hatten; schon im erster Jahrhundert können nur zwei hier angenommen werden: diejenige Legion nun, welche man als die zweite etwa nach Mainz versetzen könnte, stelle ich in der Tabelle unmittelbar nach jener Legion, für deren Hauptquartier wir unsere Stadt bezeichnen.

* Steine kamen aus unkern Gegenden, so die Stempel der 1 u. VI im Darmstädter Museum vom Unterrhein (Walther, a. a. 0. S. 32). Manche Gelehrte haben wegen solcher Steine oder Lesarten sofort die Legionen nach Obergeruänich erlege, vgl. was wegen der IIII Flavia, VII gemina u. XII fulminata Anm. 20, 78 u. 36 bemerkt ist. Bei andern Legionen, für welche hie und da der Oberrhein auch als Standort angenommen wird, wie V alauda, VI victrix, X fretensis(vgl. Anm. 62) u. a. fehlt jeder wahrscheinliche Grund.

¹8) Borghesi a. a. O0. S. 152 versetzt die VII. gemina etwa unter Severus Alexander nach Oberger- manien; allein die Denkinäler, die ihn dazu stimmten, beweisen es nicht: die Ara in Wiesbaden(Lehne 62) zeigt nur den temporären Aufenthalt eines Einzelnen im dortigen Bade an; auf dem Steine in Mainz(Kata- log 70) ist XXII anzunehmen, wie die Beiwörter darthun. Die übrigen wie den Sarcophag eines Veteranen, ehemals dahier, eine Ara in Worms, wo der Krieger bereits befördert war, und ein Fragment in Aschaffen- burg(Lehne 168; 11; Steiner II. Ausg. 714) sah auch Borgh. nicht als Beweise eines Aufenthaltes der Legion an. Ein Stempel in Augst(Or. Helv. 311) wird der XI Claudia gehören.(Eine Ara im Walliser Lunde gehört nicht hierher, Or. Helv. 15). Die Inschrift in ltalien endlich wo ein Tribunus legionis VII geminae felicis in Germania erwähnt wird, ist theils entweder, wie Grotefend bei Pauly u. a. O. S. 887 bemerkt, verdächtig theils ist mir der Beisatz in Germania kein Beweis ihres Aufenthalts am Rheine, besonders da sie eine Zeit lang an der Donau stand. Auch die VII Claudia wird dahier auf einem Steine erwähnt(Lehne 169), allein der Soldat stand nicht mebr bei der Legion, als er starb.

*) LV. 23; dass hier irrthümlich die XX statt der XXII angeführt ist, wurde schon oben S. 13 bemerlt, vgl. Borgh. a. a. O. S. 174. Auch die zwei Säulen in Rom(vgl. oben Anm. 58) haben nur diese zwei Le- gionen für Obergermunien.

80) In Untergermanien standen in dieser Zeit ebenfalls nur 2 Legionen, 1 Minervia und XXX Ulpia, während früher vier daselbst waren. Auch diese werden von Einigen an den Oberrhein verlegt, allein die wenigen Stempel, die sich hie und da finden, wie in Augst, Rottenburg(?), Nidda, Darmstadt(vgl. Anm. 77) beweisen auf keinen Fall einen längern Aufenthalt, sondern entweder einen Durchzug oder die Betheiligung an einem Feldzuge, was namentlich im dritten und vierten Jahrhundert manchmal vorkommen mochte. Ebenso finden wir von mehreren Legionen des Oberrheins, namentlich aber von der XXII primigenia hie und da in

Untergermanien Denkmäler, die einen ähnlichen Grund haben dürften.