20
IEGIO XI GLAUDI,
Von der eilften Legion gilt dasselbe, was schon oft von andern erwähnt ist,“ dass eine solche schon zu den Zeiten der Republik bestanden hat; so kommt eine XI mehrfach bei Cacsar vor (b. Gall. II. 23), auch Antonius hatte eine solche; eine von diesen, wahrscheinlich die erste, überkam Augustus, sie hatte keinen Beinamen. Unter ihm und seinen Nachfolgern stand sie in Dalmatien mit der VII; als hier im J. 42 der Proconsul Furius Camillus Scribonianus sich gegen den Kaiser Claudius empören wollte, nahmen beide Legionen Anfangs Theil, aber am fünften Tage tödteten sie ihre Vorgesetzten, die zum Treubruch verleitet hatten 66), wesshalb beide Legionen vom Kaiser die Beinamen Claudia pia fidelis erhielten(Suet. Claud. 13; Cass. LX. 15). Bei Nero's Tod nahm sie wie die meisten der erwähnten Legionen Theil an den bürgerlichen Unruhen. Nachher wurde sie wegen der Empörung der Bataver an den Niederrhein 6⁷) geschickt 68).
Gewöhnlich nimmt man an, dass sie nach jenem Aufstande nach Obergermanien gekommen sei. Da aber Vespasian, wie wir sahen, die Leg. XIIII gemina Martia victrix und VIII Augusta an den Oberrhein sandte, und die XXI rapax ihr früheres Quartier in Windisch wieder bezogen hat(was uns wahrscheinlicher dünkt, als dass sie in Bonn bis zu ihrem Untergang geblieben sei, wie Urlichs a. a. O. S. 143, was ich so eben sehe, annimmt): so glaube ich, dass die Leg. XI noch 20 Jahre irgend wo sonst verwendet wurde, bis sie unter Domitian in Windisch einzog, indem sonst fünf Le- gionen die Garnison von Obergermanien ausmachten. Gewisses können wir hierüber noch nicht be- stimmen. Unter Septimius Severus scheint sie nach Moesien gekommen zu sein, wo sie wenigstens Cassius aufführt.
Wir kennen keinen andern Beinamen von ihr, als die erwähnten; denn die hie und da ange- führten beruhen auf falschen Lesarten oder unrichtigen Erklärungen.
In Mainz scheint die Legion nicht gestanden zu haben, auch beweisen dies nicht die dürftigen Denkmäler, nämlich eine Ara dahier ⁶⁵), ein Grabstein in Kastel, einige Stempel in Zahlbach(sämmt- lich nicht mehr vorhanden, Lehne 17; 171; Fuchs II. S. 82). Dagegen im südlichsten Theile von Obergermanien, im Lande der Helvetii 7⁰) kommen nicht selten Steine, besonders aber Stempel dieser Legion vor, so Grabsteine in Windisch 7¹) und in mehreren Orten der dortigen Umgegend, wie Gebis- torf, Königsfelden, Altenburg, ferner in Zurzach; Stempel in Windisch, Avenches, Oberculm, Kloten, Winicon. Von hier aus kamen einzelne Abtheilungen ins jenseitige Land, wie mehrfach Steine es
1
6) Der folgende Statthalter Dalmatiens, L. Salvius Otho, Vater des späteren Kaisers, liess dagegen die Soldaten, die ihre Vorgesetzten ermordet hatten, öffentlich hinrichten. Suet. Oth. 1.
67) Im Museum zu Cleve(Stein. II. 342) ist ein Ziegel dieser Legion, jedoch ohne Beinamen, sonst ist mir kein Denkmal in Niedergermanien bekannt.
68) Tac. hist. IV. 68; hier muss undecima et octava(XI u. VIIL) statt sexta et octava(VI u. VIID) ge- lesen werden, wie Borgh. a. a. O. S. 155 zeigt, und eines der besten Manuscripte des Tacit. hat.
6*) Lehne setzt sie in die Zeit Domitians, will aber Leg. XIIII ändern,„weil die Leg. XI niemals in Obergermanien lag“, was sich als falsch erweist, vgl. Dieffenbach Urgeschichte der Wetterau S. 193.
7⁰) Deber den Aufenthalt der Legion in der Schweiz, vgl. Brosi a. a. O. S. 124; derselbe lässt sie schon unter Trajan nach Moesien ziehen, was nicht wahrscheinlich ist, vgl. hierüber oben S. 17.
7¹) Diesen Stein(Or. Hel. 242) versetzt Borghesi a. a. O. S. 155 unter Commodus; allein nach der richtigen Lesart, die neulich Mommsen bekannt machte(Bulletino etc. S. 103), fällt jede Zeitbestimmung hinweg.


