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WELCHE IN OBERGERMANIEN STANDEN.
Das linke Ufer des Oberrheines ist im Jahre 58 vor unserer Zeitrechnung, als Caesar den Ariovist schlug, in die Gewalt der Römer gekommen. Damals wohnten daselbst die deutschen Völker Triboci, Nemetes und Vangiones, welche schon früher eingewandert waren, die dortigen Bewohner, namentlich die Sequani, Mediomatrici und Treveri von den Ufern des Rheines zurückgedrängt und die Orte und Städte derselben in Besitz genommen hatten.—
Was insbesondere die Rheinprovinz des Grossherzogthums betrifft, so scheinen die Vangiones dieselbe ganz besetzt zu haben; denn so wie Borbetomagus(Worms), welches früher die Kelten erbaut hatten und nun die Vangiones ohne den Namen zu verändern bewohnten, die südlichste Stadt ist, was der Umstand beweist, dass die Römer den Ort Vangiones nannten, weil sie hier zuerst dies deutsche Volk antrafen: so scheint Bincium oder Vincum(Bingen), welehes Wort mit Vangiones ver- wandt ist, der nördlichste Platz zu sein, der diesem Volke seine Entstehung verdankt. Mitten zwischen beiden lag Mogontiacum(Mainz), das wie der Name zeigt, von den Kelten ¹) erbaut war.
Dreissig Jahre war diese Länderstrecke bereits römisch, ehe ihre Verhältnisse geordnet wurden. Erst nachdem die Bürgerkriege beendigt waren und Octavianus Augustus die Alleinherrschaft sich errungen hatte, fand er Zeit, eine Ordnung in die Verwaltung und Vertheidigung Galliens und der Rheingrenze zu bringen.„Das ganze linke Rheinufer wurde zur Provinz Belgica gerechnet und bildete zwei besondere Regiones oder Dioeceses ²) dorselben; diese wurden, da jetzt nur Deutsche und keine Kelten oder Gallier mehr am Rheine wohnten, Germania superior und Germania inferior(später Ger- mania prima und secunda) genannt. Weil aber diese Landschaften die Grenzen des römischen Reiches bildeten, so genossen sie schon unter Augustus einer besonderen Beachtung. Die Truppen, welche hier die Militärgrenze zu bewachen und zu vertheidigen hatten, standen nicht unter dem Procurator Belgicae, sondern für Ober- und Untergermanien wurden zwei Legati ernannt, welche die Legionen am Rheine zu kommandiren hatten.
¹) Wie die Bewohner unserer Gegend und Stadt vor der Ankunft der Vangiones hiessen, weiss man nicht, weder die Mediomatrici(Metz) noch die Treveri(Trier) scheinen bis in unsere Provinz, auf keinen Fall bis nach Mainz gereicht zu haben. Ein anderer Name aus jener Zeit ist uns nicht überkommen. Später (70 p. Ch.) werden unter den Hilfsschaaren des Tutor neben den Triboci und Vangiones die Caeracates(oder Caracates) Tac. hist. IV. 70. erwähnt, ein Name, der sich sonst nirgends mehr findet; mir scheint es, als wenn uns hier der Name des keltischen Volkes aufbewahrt sei, welches vor den Vangiones bei Mainz wohnte; leicht möchten sich Reste desselben noch 100 Jahre erhalten haben, bis es unter den Vangiones ganz ver- schwand.
2²) Nicht aber eigene Provinzen, wie man gewöhnlich annimmt; vgl. Mommsen in den Berichten der philol. hist. Klasse der k. sächs. Gesellsch. d. W. 1852, S. 230 ff.
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