Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht auf Gelehrtengymnasien
Entstehung
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an dieſe Welt heranführen, und dabei durch die Schwierigkeit des fremden Sprach⸗ idioms ſeine Kraft zur Erkenntniß ihrer Verhältniſſe ſtählen, durch die Vollendung deſſelben ſeinen Sinn für die Würdigung ihrer Größe wecken. Was ſie beginnen, führen die übrigen hiſtoriſch⸗ethiſchen Studien der Schule und der Univerſität wie des ſpätern Lebens weiter. Für dieſe Seite der Humanitätsbildung haben alſo die Gelehrtengymnaſien bei richtiger Anwendung ihrer bisherigen Mittel ſchon geſorgt. Nicht ſo für die Einführung in das Verſtändnlß der Natur. Und doch wird dieß von Tag zu Tag nothwendiger. Die Naturwiſſenſchaften ſind in unſerer Zeit nicht bloß in practiſcher Beziehung durch ihre Wichtigkeit für das Leben, ſondern auch theoretiſch durch den planmäßigen ächt wiſſenſchaftlichen Fortbau derſelben und durch ihre große Bedeutung für andere Wiſſenſchaften zu einer ſo gewaltigen Macht herangewachſen, daß ſich faſt keine Art geiſtiger oder practiſcher Wirkſamkeit mehr denken läßt, die ſie ganz ignoriren könn: e. Der Hiſtoriker z. B., mag er das Leben einzelner Perſönlichkeiten oder ganzer Völker oder das der Menſchheit zur Aufgabe ſeines Forſchens machen, wird alle in ihrem Lebensgang auf mannigfache Weiſe durch die Natur beſtimmt finden. Dieſes beſtimmende Moment entgeht ſeiner Erwägung, wenn er ohne naturwiſſenſchaftliche Bildung iſt. Die neuere Geſchichtsforſchung hat den Einfluß der Beſchaffenheit des Landes auf die Entwickelung eines Volkes vielfach und ſchlagend dargethan, erſtere aber ohne naturwiſſenſchaftliche Einſicht gründlich zu erkennen iſt nicht wohl möglich. Auch wer ſich rein geiſtigen Intereſſen zuwendet, findet dieſe allerwärts mit den mate⸗ riellen verkettet, deren richtige Würdigung wieder in einer tüchtigen naturwiſſen⸗ ſchaftlichen Grundlage wurzelt. Wer dem Dienſt des Staats oder der Kirche ſeine Thätigkeit widmet, muß, welcher Sphäre er auch angehöre, es verſtehen, auf Menſchen zu wirken. Dieß kann er nicht, wenn er nicht das Menſchenleben in allen ſeinen Beziehungen, auch in der zur Natur erfaßt hat. So kann z. B. der Staatsmann die ſtets wichtiger werdende materielle Seite des Völkerlebens nicht außer Acht laſſen, aber Staatsöconomie ohne naturwiſſenſchaftliche Vorbildung iſt nicht wohl möglich. ³)

³) Die Beſchränktheit des Raums verbietet mir die Nothwendigkeit der naturwiſſenſchaft⸗ lichen Bildung für die verſchiedenen Zweige menſchlicher Thätigkeit hier ins Einzelne zu verfol⸗ 2